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Isabell Isabell studiert Agrarwissenschaften und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.
07.04.2021 . Lesezeit: 11 Minuten

Kartoffeln selber anbauen: Tipps für eine erfolgreiche Ernte

Eigene Kartoffeln sind nicht nur eine relativ pflegeleichte Kultur für den Garten, sondern eignen sich hervorragend als Kohlenhydratquelle für Selbstversorger. Einige Sorten sind gut lagerfähig, weshalb du auch noch im Winter von deiner Ernte zehren kannst. Je nach Sorte, werden die Kartoffeln zu unterschiedlichen Zeiten geerntet. Was es beim Anbau von Kartoffeln zu beachten gibt, kannst du in diesem Artikel nachlesen. Wir geben dir Tipps zum Kartoffeln setzen, pflegen und ernten.

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Auf einen Blick

  • Lichtbedarf: hoch
  • Nährstoffbedarf: hoch
  • Wasserbedarf: feucht
  • Boden: lockerer, humoser aber leicht sandiger Boden
  • Keimtemperatur: Pflanzkartoffeln keimen bei 12 bis 15 °C
  • Aussaat: je nach Sorte zwischen April und Juni
  • Setztiefe:5 - 10 cm
  • Pflanzabstand: 35 x 65 cm

Die Kartoffelpflanze - Das musst du wissen

Die Kartoffel (Solanum tuberosum), auch Erdapfel genannt, gehört wie Tomate, Aubergine oder Paprika zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae).

Woher kommen Kartoffeln?

Ursprünglich stammen Kartoffeln aus Südamerika, wo sie schon vor ungefähr 8000 Jahren kultiviert wurden. Als die Kartoffel im 16. Jahrhundert schließlich nach Europa gelangte, wurde zu Beginn das Kraut und die Beeren verzehrt, was Bauchweh und Durchfall verursachte. Ab dem 18. Jahrhundert kam es dann auch in Europa zu einem regelrechten Kartoffel-Boom. Die Knolle wurde eins der wichtigsten Hauptnahrungsmittel in vielen europäischen Ländern.

Kartoffeln können prima im ersten Jahr angebaut werden, denn sie lockern zusätzlich den Boden auf. Bild von Detmold auf Pixabay.

Welche Kartoffelsorten gibt es?

Weltweit gibt es über 3000 Kartoffelsorten, allerdings werden nur noch sehr wenige im großen Stil angebaut. Die Sorten können sich sehr stark in Form, Geschmack oder Erntezeitpunkt unterscheiden. Besonders alte Sorten erfreuen sich unter Hobbygärtner:innen einer wachsenden Beliebtheit, da sie oft Resistenzen gegen Krankheiten aufweisen. Doch viele alte und traditionelle Sorten sind bereits in Vergessenheit geraten. Mehr Infos über die große Vielfalt der Kartoffelsorten findest du in unserem Artikel zum Thema.

Kartoffeln setzen

Wähle einen möglichst sonnigen Platz für deinen Kartoffelacker aus. Der Boden sollte nicht zu schwer sein, sonst können ihn die jungen Knollen nicht richtig durchdringen. Ideal ist ein lockerer Boden, der mit Kompost und verrottetem Mist angereichert wurde.

Eine Anleitung zum Kartoffeln setzen, findest du hier im Artikel. Hier findest du auch Tipps zur Auswahl deiner Pflanzkartoffeln und zum richtigen Zeitpunkt für das Kartoffeln pflanzen.

Kartoffel ernte
Für eine reiche Ernte solltest du zur richtigen Sorte greifen.

Heukartoffeln pflanzen - No-Dig-Methode aus der Permakultur

Kartoffeln müssen nicht immer im Acker eingegraben werden. Für die Heu-Methode brauchst du gar keinen Spaten. Daher gehört diese Anbaumethode zu den No-Dig-Methoden. Dabei wird auf das Umgraben beim Gärtnern verzichtet.

Heukartoffeln - Anleitung

  • Zuerst werden die Kartoffeln Anfang Mai reihenweise auf einem gemähten Stück Wiese ausgelegt (Abstand ca. 40 cm)
  • Auf die Knollen kommt dann eine ca. 40 cm dicke Schicht aus trockenem Heu.
  • Die Fläche sollte nun gut angegossen und feucht gehalten werden, weshalb es sich lohnt mit dieser Methode auf eine etwas feuchtere Periode zu warten, um Gießarbeit zu sparen. Enthält der Boden anfangs ausreichend Wasser schadet auch eine längere Trockenzeit den Knollen nicht, denn sie sitzen unter einer dicken Mulchschicht aus Heu.
  • Nach wenigen Wochen beginnen die Kartoffeln auszutreiben und Wurzeln zu bilden.
  • Wenn das Kraut abgestorben ist, kannst du das Heu zur Seite rechen und die Kartoffeln auf dem Boden aufsammeln.
  • Du wirst feststellen, dass sich manche auch etwas tiefer eingegraben haben und sich der Boden gelockert hat. Diese Fläche kannst du prima als neues Beet anlegen. Trage hierfür einfach zusätzlich eine ca. 20 cm dicke Schicht aus Kompost und/oder Mist auf und bedecke die ganze Fläche wieder mit dem Heu. Im Folgejahr kannst du bereits dein neues Beet bepflanzen.
Vorgekeimte Kartoffeln
Beim Heukartoffeln pflanzen solltest du bereits vorgekeimte Kartoffeln nehmen, damit sie besser anwachsen.

Kartoffeltopf - Kartoffeln auf dem Balkon pflanzen

Besitzt du nur wenig Platz oder möchtest viele unterschiedliche Sorten anbauen, kannst du den Kartoffeltopf ausprobieren.

Anleitung zum Kartoffeln anbauen im Topf:

  • Dein Topf sollte hierfür einen Durchmesser von ungefähr 50 cm haben. Um Stauwasser zu vermeiden, sollte er ein Drainage-Loch am Boden besitzen.
  • Befülle den Topf nun mit ca. 20 cm lockerer Erde. Hierfür eignet sich Kompost oder lockere Gartenerde. Zusätzlich kannst du auch etwas Sand untermischen, um die Erde locker und durchlässig zu halten.
  • Auf die Erde kommen anschließend 3-5 vorgekeimte Kartoffeln (je nach Größe der Knollen).
  • Auf die Knollen kommt dann eine dicke Schicht Urgesteinsmehl und eine weitere ca. 10 cm hohe Schicht Erde.
  • Wenn die Triebe ca. 10 cm hoch sind, fülle den Topf soweit mit Humus auf, bis nur noch die ein kleiner Teil des Stängels und die Blätter aus der Erde schauen (wie beim Anhäufeln).
  • Das ganze wiederholst du, bis der Topf komplett mit Erde befüllt ist. Achte auf ausreichende Feuchtigkeit der Töpfe.
  • Sobald das Kraut im Spätsommer/Herbst abgestorben ist, kannst du den Topf stürzen und die Kartoffeln ernten.
Kartoffeln kannst du ohne Probleme auch auf dem Balkon anbauen. Bild von Petra auf Pixabay

Kartoffeln düngen

Kartoffeln sind Starkzehrer, weshalb sie am besten in einem gut gedüngten, nährstoffreichen Boden gedeihen. Arbeite hierfür vor dem Aussäen großzügig reifen Kompost oder reifen Mist in den Boden ein. Frischer Mist ist zu scharf und kann nicht nur den Wurzeln schaden, sondern zieht zudem Drahtwürmer an, welche die Kartoffeln anfressen. Besitzt du nur wenig Kompost oder Mist, kannst du mit Brennnesseljauche während der Wachstumsphase gießen oder Hornspäne mit ins Pflanzloch geben.

Kartoffelkrankheiten: Krautfäule & Kartoffelfäule

Kraut- und Braunfäule erkennen

Bei der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans), auch Braunfäule genannt, handelt es sich um eine Pilzkrankheit, die zu erheblichen Schäden an Kartoffeln und anderen Nachtschattengewächsten führen kann. Das Problem ist, dass das Schadbild erst relativ spät in auftritt. Auf älteren Blättern und Stängeln sind zuerst stellenweise dunkelbraune Flecken zu sehen. Später bildet sich auf der Blattunterseite eine weiße oder violette Sporenschicht, die an Schimmel erinnert. Auch die Wurzeln und Knollen werden später befallen. Für das Wachstum benötigt der Pilz ausreichend Feuchtigkeit, wodurch Braunfäule häufig bei nasser Witterung oder nächtlicher Taubildung auftritt.

Schadbild der Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln. Foto: Jerzy Opioła, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Was tun bei Braunfäule?

Bei Verdacht, die befallenen Pflanzenteile sofort entfernen, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Oft gilt jedoch, dass der Braunfäulebefall die Kartoffel- und Tomatensaison beendet. Erntereste sollten sofort entfernt werden (nicht kompostieren!). Zudem sollten nach Befall keine Nachschattengewächse mehr an derselben Stelle angebaut werden, da der Pilz auch überwintern kann.

Kartoffelfäule vorbeugen

Vorbeugend kann das Sprühen von Brennnessel- oder Zwiebel-Knoblauchsud vor einem Befall schützen. Festkochende Sorten sind weniger gefährdet. Außerdem sollten die Kartoffelpflanzen nicht zu eng gepflanzt werden, sodass Regen oder Tau gut abtrocknen kann.

Kartoffelschädlinge: Kartoffelkäfer

Wie sieht ein Kartoffelkäfer aus?

Der gelb-schwarz gestreifte Kartoffelkäfer sowie seine rotbraunen mit Larven, die später gelblich werden, fressen Kartoffelblätter bis zum Stängel hin ab. Dabei kann es zum vollkommenen Abfraß der Blätter kommen, wodurch erhebliche Ernteeinbußen entstehen können.

So sieht ein Kartoffelkäfer aus. Bild von Daniel Borker auf Pixabay.

Was hilft gegen Kartoffelkäfer?

Bei akutem Auftreten: Larven, Eier und Käfer absammeln. Gesteinsmehl aufstreuen oder Niemöl auf die Pflanzen sprühen. Zudem kann eine selbst hergestellte Meerrettich-Jauche die Käfer vertreiben. Dafür 200 g getrockneten Meerrettich auf 10 l kaltes Wasser und für einige Tage in die Sonne stellen. Auch Kaffeesatz vertreibt die Schädlinge: Streue dafür alle paar Wochen am besten früh morgens den getrockneten Kaffeesatz auf die Blätter der betroffenen Pflanzen.

Kartoffelkäfer vorbeugen

Vorbeugen ist in diesem Fall die wichtigste Maßnahme: Beginne schon ab Mai (da startet die Flugzeit der Schädlinge) deine Pflanzen nach Käfern und Larven abzusuchen und sammle diese händisch ab. Auch Blätter, auf denen die gelben Eier auf den Blattunterseite kleben solltest du entfernen. Zudem kann eine Mischkultur mit Meerrettich (Wucherungsgefahr!), Lein oder Pfefferminze (Wucherungsgefahr!) die Schädlinge fernhalten. Zusätzlich wirkt Brennnesseljauche stärkend auf die Pflanzen. Engmaschige Kulturschutznetze können auch vor dem Befall schützen. Auch Nützlinge wie Florfliegen oder Vögel und eine vierjährige Anbaupause können die Schädlinge fern halten.

Kartoffeln ernten und lagern

Wie die Kartoffelernte funktioniert, kannst du im Artikel zum Thema nachlesen. Hier findest du hilfreiche Tipps zum Kartoffeln ernten.

Alles rund ums Thema Kartoffeln lagern und aufbewahren, findest du hier im Beitrag.


Ich hoffe, du hast Lust darauf bekommen, eigene Kartoffeln anzubauen. Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@fryd.app.

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