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Emilie Emilie studiert Agrarwissenschaften an der Uni Hohenheim. Sie findet es faszinierend wie eng Ernährung und Gesundheit zusammenhängen und spannend welche Wildpflanzen man essen kann.
03.11.2022 . Lesezeit: 12 Minuten

Selbstversorger-Garten: Anbauplan und Flächenbedarf

Steigende Lebensmittelpreise, Skepsis bei den Siegeln und wenig Zeit in der Natur sind nur ein paar Gründe, warum sich immer mehr Menschen für Selbstversorgung interessieren. Hier erfährst du, wie du deinen Selbstversorger-Garten planst und eine Anbauplan, was du beachten solltest und welche Gartenarbeiten im Laufe des Jahres auf dich zukommen. Auch auf deine Fragen zum Thema Gemüse lagern und einmachen findest du hier Antworten. 

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Auf einen Blick

  • die Planung eines Selbstversorger-Gartens muss Standort der Beete, Lagerung und die eigenen Ziele berücksichtigen
  • einfache Pflanzen für den Anfang sind z.B. Salat, Tomaten, Möhren und Kürbis
  • du brauchst etwa 250-300 qm für vier Personen für die Versorgung mit Gemüse über das ganze Jahr, dieser Wert variiert je nach angebauten Kulturen
  • für Selbstversorger besonders wichtig sind das Lagern und Einmachen von der Ernte für den Winter

Gemüse selbst anbauen: der Weg zum Selbstversorger-Garten

Auch wenn immer mehr Menschen vom eigenen Selbstversorger-Garten träumen, so gibt es doch verschiedene Formen und Abstufungen. Manche verstehen unter dem Begriff ,,Selbstversorger" jemanden, der völlig autark lebt und sich selbst mit Lebensmitteln, Wasser und Strom versorgt. Für andere bedeutet es, selbst ,,nur" Lebensmittel wie tierische Produkte, Getreide, Obst, Gemüse und Kräuter anzubauen. Doch du solltest nicht unterschätzen, wie viel Zeit, Platz und Wissen ein solches Vorhaben braucht.

Hier soll es eine Anleitung geben, wie du dich das ganze Jahr über selbst mit Gemüse versorgst. Das braucht wesentlich weniger Fläche, Zeit und natürliche Ressourcen als der Anbau von Futtermitteln für Tiere. Den Gemüseanbau solltest du trotzdem nicht unterschätzen. Wenn du dich schon völlig ausgelastet fühlst, solltest du dir daher davor Gedanken machen, ob du genug Zeit und Kraft für dieses Vorhaben hast. Dann kannst du immer noch gärtnern und dich ausprobieren, z.B. Sorten von Jahr zu Jahr variieren oder dich an neue Kulturen wagen - Abwechslung und Herausforderung gibt es beim Zusammenspiel mit der Natur sowieso zu Genüge.

Person, die Pflanze eingräbt
Gartenbarbeit und Gartengestaltung können ganz individuell gestaltet werden. Photo by Jonathan Kemper on Unsplash

Gartenarbeit planen und Beete anlegen

Selbstversorgung ist kein Vorhaben, das an einem Tag oder sogar in einem Jahr beschlossen und umgesetzt wird. Viel sinnvoller ist es, sich je nach Erfahrung im Gemüsebau zunächst auf einige Sorten oder eine kleinere Fläche zu beschränken. Auf diese Weise kannst du besser einschätzen, wie viel du zeitlich bewältigen kannst. Mit der Zeit kannst du immernoch mehr anbauen und deinen Garten erweitern. Schade ist es aber, wenn du dich übernimmst, nicht die gewünschten Erfolge erzielst und nicht die ganze Ernte abernten und verarbeiten kannst.

Der eigene Selbstversorger-Garten: Motivation und Ziel

Der erste Schritt ist, sich klar zu machen, was Motivation und Ziel des eigenen Selbstversorger-Gartens sind. Im besten Fall hast du dann das Jahr über frisches, aromatisches und gesundes Gemüse und sparst dir den Weg zum Supermarkt. Was ist also dein Ziel? Vielleicht möchtes du vor allem außergewöhnliche Sorten probieren, die sonst teuer oder schwer zu bekommen sind. Oder du möchtest einen großen Teil deines Kalorienbedarfs durch den eigenen Garten decken und setzt auf wenige Sorten. Eine andere Option ist, über das ganze Jahr hinweg Gemüse aus dem eigenen Garten essen zu können. Besonders für eine ganzjährige Selbstversorgung ist eine gute Planung wichtig: neben der Beetfläche solltest du auch die Kapazitäten für gelagertes und eingemachtes Gemüse bedenken. Die finale Sortenauswahl sollte sich danach richten, was du gerne isst und zudem passend für deinen Standort (Boden, Lichteinstrahlung, Klima) sein.

MAngold im Hochbeet
Auch Pflanzen im Hochbeet sind für den Selbstversorger-Garten möglich. Photo by Jonathan Hanna on Unsplash

Selbstversorgung rund ums Jahr: Flächen- und Zeitbedarf für Beete

Die benötigte Fläche und der Zeitaufwand können je nach Kulturen stark variieren. Grob kannst du mit 250 bis 300 qm für einen Vier-Personen-Haushalt rechnen. Mit dieser Fläche ist die Versorgung über das ganze Jahr möglich. Allerdings reicht dann nicht nur der Samstag für die Gartenarbeit. Der Zeitaufwand hängt davon ab, wie dein Garten angelegt ist, welche Kulturen du anbaust und vor allem von der Fläche. Eine individuelle Antwort lässt sich aber nicht pauschal festlegen. Am besten hälst du über ein Jahr hinweg fest, wie viel Kilogramm Gemüse du einkaufst und verbrauchst. So kannst du dir im Vorhinein über den Bedarf an Fläche, Gemüse und Zeit klarer werden. Dabei solltest du auch bedenken, dass in unseren Breiten zum Beispiel frische Paprika und Tomaten im Winter wegfallen und du dafür auf mehr eingemachtes Gemüse setzen musst. Hierfür braucht es genug Vorräte und Lagermöglichkeiten. Wie auch sonst im Gemüseanbau ist die Planung für das Folgejahr im Herbst oder Winter am sinnvollsten. Das gelingt dir besonders leicht mit unserem Beetplaner am Desktop oder in der App auf dem Smartphone.

Screenshot des Beetplanungstools von fryd am Desktop
Beetplanung in deinem Garten für Gemüseanbau und Kräuter wird mit dem Planungstool ganz leicht.

Das sind einfache Kulturen für den Anfang:

  • Kartoffeln
  • Zwiebeln
  • Zucchini
  • Busch- und Stangenbohnen 
  • Radieschen
  • Erdbeeren
  • Salat 
  • Knoblauch
  • Tomaten 
  • Kürbis 
  • Möhren
  • Mangold
Salat wird geplückt
Frischer Salat vom Boden abgeernetet und aus dem eigenen Gemüsegarten schmeckt besonders lecker. Photo by PHÚC LONG on Unsplash

Wer seine Beetflächen für die Selbstversorgung erweitern möchte, sollte sich kurze Wege zur Priorität machen: zwischen Haus, Geräteschuppen, Kompost und anderen Beeten. Auch feste Wege sind von Vorteil. Die Basis sind natürlich Standort, Boden, Wetter- und Lichtverhältnisse. Wie ihr ein Gemüsebeet genau anlegt, erfahrt ihr im Artikel dazu.

Selbstversorgung im Garten über das Jahr

Auch wenn in manchen Jahren nicht nur der April verrückt spielt, kannst du dich doch für die meisten Gartenarbeiten an den Jahreszeiten orientieren. Erfahrung und der Blick auf Frost, Temperatur und Niederschlag sind ebenfalls gute Indikatoren.

  • Im Frühling ab März kannst du einige Gemüsekulturen vorziehen. Das Vorziehen benötigt weniger Saatgut und gibt den Pflanzen einen kleinen Vorsprung. Auch Setzlinge sind eine Option oder bei manchen Kulturen auch die Direktsaat. Mehr zum Thema Vorziehen oder Direktsaat findet ihr im Artikel zum Thema. Hier findest du auch eine Übersicht, welche Kulturen für das Vorziehen geeignet sind und welche du in unseren Breiten eher vorziehen solltest. Am besten geeignet sind samenfeste Sorten in Bio-Qualität, dann kannst du für die nächste Saison eigenes Saatgut gewinnen. Bei manchen Kulturen lohnt es sich satzweise auszusäen, um über einen langen Zeitraum gleichmäßig aus dem eigenen Garten versorgt zu sein. Dazu zählen Salat, Rucola, Radieschen und Lauchzwiebeln. 
  • Im Sommer wird vor allem im Hinblick auf die Klimakrise die Wasserversorgung im Garten zum Hauptthema. Regenwasser zu sammeln ist hier die beste Alternative zu Grundwasser oder Leitungswasser. Tipps zum wassersparenden Gießen findest du im Artikel dazu. In den Sommermonaten ist die Lichtintensität,-dauer und Temperaturen am höchsten, wodurch die Früchte heranreifen. Innerhalb einer Art gibt es verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Aussaat- und Erntezeitpunkten. Hier kannst du zwischen frühen und späten Sorten variieren, um möglichst lange zu ernten. Manche Gemüsesorten wie z.B. Buschbohnen erntet man nicht auf einen Schlag, sondern über Wochen hinweg jeweils einige Schoten.
Tomatensorten auf einer Fensterbank
Tomaten-Pflanzen sind bei allen Gärtner:innen das beliebteste Gemüse. Photo by Rasa Kasparaviciene on Unsplash
  • Der Herbst ist die Haupterntezeit im Garten. Einen Überblick über die Erntezeiten von Obst und Gemüse findest du im thematischen Artikel. Nun heißt es: nicht den Kopf und Überblick verlieren. Viel zu ernten bedeutet für Selbstversoger:innen auch, viel einzulagern und haltbar zu machen. Dafür sollte genug Platz und Zeit zur Verfügung stehen, was manchmal in der Planung untergeht. Wenn du erntest, als du essen und verarbeiten kannst, dann beglück´ doch Nachbarn und Freunde mit der Ernte aus deinem Garten. Außerdem lohnt es sich schon jetzt an die Aussaat für die Pflanzen im Winter zu denken.
  • Der Winter soll hier keinesfalls unter den Tisch fallen. Auch jetzt gibt es noch einige Pflanzen, die im Beet stehen: Rosenkohl, Grünkohl, Lauch, Feldsalat und Spinat. Wer ein Gewächshaus oder Folientunnel im Garten hat, hat eine noch größere Auswahl. Aufpassen sollte man besonders in höheren Lagen, denn unter einer dicken Schneedecke ist die Ernte schwierig. Ansonsten liegt in den kalten und dunklen Monaten der Fokus auf dem Eingemachten und Gelagerten und natürlich auf der Planung für das nächste Gartenjahr.

Gemüse einlegen und lagern

Unterschiedliche Gemüsesorten werden in verschiedenen Monaten reif und unterscheiden sich in Wassergehalt und Konsistenz. Es gibt einerseits Erntespitzen, in denen du im Garten mehr erntest als im Moment verspeist und verarbeitet werden kann. Andererseits gibt es aber auch Monate, in denen im Garten kaum etwas los ist. Aus diesen Gründen spielen ganz besonders für alle Selbstversorger:innen das Lagern und das Haltbarmachen von Gemüse und anderen Pflanzen eine wichtige Rolle.

Gemüse haltbar machen

  • Zum Einfrieren eignen sich beispielsweise Zucchini (klein geschnitten und gesalzen), Kräuter (portionsweise in Eiswürfeln) und verschiedene Obstsorten und Beeren.
  • Zu Gelees, Marmeladen und Sirup lässt sich besonders gut Obst wie beispielsweise Äpfel, aber auch Beeren oder Holunderblüten verarbeiten.
  • Chutneys hingegen sind einen tolle Möglichkeit Obst- und Gemüsesorten miteinander zu kombinieren. Gewürze sind dabei das A und O. 
  • Trocknen kannst du Kräuter aus deinem Garten gebündelt z.B. für Tees an der Luft, aber auch Gemüsesorten wie Tomaten im Dörrautomat oder Backofen. 
  • Einlegen und Einkochen sind die bekannteste traditionelle Art, um Gemüse auch in kalten Monaten zu genießen. Dabei ist Hygiene ganz besonders wichtig. Zum Einsatz kommen hier meistens Essig oder Salz und die Flüssigkeit wird mit dem Gemüse heiß in Gläser gefüllt. Chilis und Kräuter können Öl eine besondere Note geben. 
  • Mehr Tipps zum Obst und Gemüse haltbar machen mit Anleitungen findest du im Artikel dazu.
Kartoffeln gelagert
Kartoffeln sind ein wichtiges Grundnahrungsmittel und halten sich richtig gelagert bis zur nächsten Ernte. Photo by Jan Antonin Kolar on Unsplash

Gemüse lagern

  • Lagern kannst du besonders gut Kartoffeln und Zwiebeln. Hier gilt als Faustregel: am besten kühl, dunkel, trocken und gut belüftet. Anders bei Möhren, denn sie brauchen ein gewisses Maß an Feuchtigkeit, um knackig zu bleiben. Außerhalb des Hauses kann man Wurzelgemüse auch in Erdmieten im Boden lagern. Mehr zum Thema Gemüse richtig lagern und Tipps zu Erdmieten und Co. findest du im Artikel dazu.

Anbauplan für Selbstversorger-Garten

Dieser Anbauplan für einen Selbstversorger-Garten deckt eine Fläche von 58 qm ab.

Dieser Anbauplan ist ein Beispiel dafür, wie du zur Selbstversorgung etwa 58 qm Beetfläche bepflanzen kannst. Natürlich hängt das auch davon ab, welche Kulturen du besonders gerne isst und wie deine Stadortbedingungen sind. Die Pflanzen stehen nicht alle das ganze Jahr im Beet. Um die Fläche optimal zu nutzen und Erosion zu vermeiden, kannst du entweder nach der Ernte neue Kulturen an den Platz setzten oder eine Gründüngung säen. Nach der Kartoffelernte kannst du den Platz in den Beeten in deinem Garten bespielsweise auch für Feldsalat, Chinakohl, Fenchel oder Spinat anpflanzen.

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Emilie Emilie studiert Agrarwissenschaften an der Uni Hohenheim. Sie findet es faszinierend wie eng Ernährung und Gesundheit zusammenhängen und spannend welche Wildpflanzen man essen kann.
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