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Marie Marie (24) studiert Agrarwissenschaften. Sie liebt es, eigenes Gemüse im Garten anzubauen und Wildkräuter zu sammeln. Gemeinsam mit Freunden bewirtschaftet sie einen Garten und verbringt viel Zeit in der Natur.
17.01.2023 . Lesezeit: 14 Minuten

Pikieren von Gemüsepflanzen - Tipps und Anleitung

Pikieren bedeutet, Keimlinge ein paar Wochen nach der Aussaat zu vereinzeln und in eigene Töpfe mit frischer Erde zu setzen. Wir erklären dir, was es beim Pikieren von Jungpflanzen zu beachten gibt. Außerdem geben wir Tipps zum Pikieren beliebter Kulturen wie z.B. Tomaten und Paprika.

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Auf einen Blick

Was bedeutet Pikieren?

  • Jungpflanzen vereinzeln in eigene Töpfe mit frischer, nährstoffreicher Erde
  • Wann? Der richtige Zeitpunkt ist, wenn die Keimblätter bereits voll entwickelt sind und sich bereits Ansätze der ersten ,,richtigen'' Blätter zeigen
  • Pikieren welche Erde? nährstoffreiche Gartenerde, ggf. mit Sand vermischt

Pikieren - Anleitung

  • Keimlinge aus der Anzuchterde lösen
  • Wurzelspitzen mit den Fingern abknipsen
  • Mit Hilfe des Pikierstabs den Keimling in den neuen Topf pflanzen, setze die Pflanze dabei ein wenig tiefer (maximal bis zu den Keimblättern)
  • Fülle den Topf mit Erde auf und gieße den Setzling gut an

Pflanzen pikieren - Was ist pikieren?

Das Pikieren von Sämlingen ist ein wichtiger Teil der eigenen Jungpflanzenanzucht. Sind deine gesäten Samen gekeimt und zu kleinen Keimlingen herangewachsen, wird der Platz in den Anzuchttöpfen oft knapp. Um stark heranzuwachsen, brauchen die Pflanzen nun aber mehr Nährstoffe und Platz. Und genau deswegen pikierst du deine Jungpflanzen.

Aber was genau bedeutet pikieren? Beim Pikieren setzt du die Jungpflanzen auseinander und vereinzelst die Keimlinge. Jede Jungpflanze bekommt ihren eigenen Topf mit nährstoffreicher Erde.

Pikierstab - das passende Werkzeug

Beim Vereinzeln der Jungpflanzen musst du sehr vorsichtig sein, denn ihr Spross und die Wurzeln sind noch zerbrechlich und zart. Deswegen nehmen erfahrende Gärtner:innen passendes Werkzeug zur Hand. Mit einem sogenannten Pikierstab kannst du die die Jungpflanzen behutsam aus der Erde lösen. Einen Pikierstab kannst du als solchen in einem Gartenbedarfsladen kaufen. Alternativ eignet sich aber auch ein Löffel oder ein Pikierstab aus Holz. Hierfür kannst du einfach einen Ast mit einem Durchmesser von etwa 1 cm sammeln. Das Holz sollte glatt sein und ohne scharfe Kanten, um die Sämlinge nicht zu verletzen.

Pikierstab und Pikierstab aus Holz
Um dir das Pikieren zu erleichtern, kannst du dir einen Pikierstab aus Plastik oder Holz zur Hilfe nehmen.

Wann pikieren? - Der richtige Zeitpunkt

Der richtige Zeitpunkt, die Jungpflanzen auseinanderzusetzen ist, wenn beide Keimblätter bereits voll entwickelt und zumindest die Ansätze der ersten ,,richtigen'' Blätter zu sehen sind. Pikierst du zu früh, riskierst du, dass deine Setzlinge einen Schock bekommen und eingehen. Warte aber auch nicht zulange mit dem Pikieren, denn die Sämlinge wachsen in nährstoffarmer Anzuchterde - früher oder später fehlen für eine gute Entwicklung Nährstoffe im Boden. Deswegen ist ein guter Zeitpunkt zum Pikieren während der Entwicklung der ersten Laubbläter. Im Samen sind genügend Nährstoffe enthalten, dass der Sämling sich bis zu den Keimblättern aus eigener Kraft entwickeln kann. Dann ist er auf Nährstoffe im Boden und das Sonnenlicht angewiesen, um selbst Biomasse zu produzieren.

Welche Erde zum Pikieren nehmen?

Beim Samen säen wird nährstoffarme Anzuchterde verwendet. Das fördert die Entwicklung eines gesunden Keimlings mit solidem Wurzelwerk. Beim Pikieren und ersten Umzug in einen eigenen Topf bekommt der Setzling frische, nährstoffreiche Gartenerde. Wähle hierfür eine Bio-Gartenerde ohne Torf, um ökologisch und nachhaltig zu Gärtnern. Je nachdem, welche Pflanze du pikierst, kannst du die Erde an die Bedürfnisse der Pflanzen anpassen. Schwachzehrende Kräuter mögen Erde mit hohem Sandanteil lieber. Viele Gemüsepflanzen wie Kürbis und Tomaten brauchen allerdings nährstoffreiche Erde mit einer hohen Wasserspeicherfähigkeit. Hier solltest du keinen Sand untermischen.

Vergeilte Pflanzen retten mit Pikieren

Besonders bei Kulturen, die bereits früh im Jahr vorgezogen werden (z.B. Paprika) ist die Gefahr groß, dass deine Sämlinge vergeilen. Keimlinge vergeilen, wenn das Verhältnis von Licht und Wärme nicht stimmt. Bei einer Anzucht auf der Fensterbank ist es meist relativ warm und verhältnismäßig dunkel. Zudem sind die Tage so früh im Jahr noch kurz. Auf der Suche nach Sonnenlicht wachsen die Keimlinge schnell in die Höhe. Sie haben einen dünnen Spross, der die Blätter kaum tragen kann. Dadurch werden sie instabil. Hier kann es helfen, die Jungpflanzen umzutopfen und zu pikieren. Durch das Vereinzeln der Jungpflanzen gibt es weniger Konkurrenz um Licht. Um ihre Stabilität zu erhöhen, kannst du die Jungpflanzen zudem tiefer pflanzen.

Paprika-Jungpflanzen kurz nach dem Pikieren
Pflanze vergeilte Paprikakeimlinge etwas tiefer in die Erde, um ihnen mehr Stabilität zu geben.

Pflanzen richtig pikieren - eine Anleitung


Material - das brauchst du

  • Jungpflanzen, die bereits Ansätze der ersten Laubblätter zeigen
  • Pikierstab
  • Bio-Gartenerde ohne Torf, ggf. Sand
  • Töpfe mit 10 - 15 cm Durchmesser

Anleitung zum Pikieren

  • Zur Vorbereitung kannst du die neuen Töpfe etwa zur Hälfte mit frischer Gartenerde füllen. Wähle je nachdem, wie lange die Pflanze im Topf verbringt, eine angebrachte Topfgröße. Meist reichen aber 10 bis 15 cm Durchmesser.
  • Erde rund um die Sämlinge vorsichtig mit dem Pikierstab lockern und die Keimlinge vorsichtig herausziehen. Falls du topflos mit Erdtöpfen/Erdballen anziehst, kannst du die Erdballen einfach zerbröseln. Hast du den wurzelnackten Setzling, kannst du die Wurzelspitzen leicht mit den Fingern abknipsen. So wird das Wurzelwachstum angeregt.
  • Keimlinge in einen vorbereiteten Topf mit nährstoffreicher Gartenerde setzen. Hierfür kannst du den Pikierstab zur Hilfe nehmen. Grabe ein Loch in die Gartenerde, sodass der Keimling gut reinpasst und pflanze ihn in das Loch. Die Wurzeln sollten wieder nach unten zeigen. Nutze den Pikierstab, um die Wurzeln auszurichten.
  • Setze die Keimlinge ein wenig tiefer in die Erde wie zuvor. Das erhöht ihre Stabilität, besonders bei vergeilten Pflanzen. Dabei sollten die Keimblätter noch aus der Erde rausschauen. Wie tief du die Keimlinge beim Umtopfen setzt, kommt ein bisschen auf die Kultur an. Einige Pflanzen vertragen es gut, da sie ganz einfach neue Wurzeln aus dem Spross bilden können (z.B. Tomaten). Andere Pflanzen können faulen, wenn sie zu tief in der Erde sind.
  • Dann füllst du den Topf voll mit Erde auf und drückst sie etwas an. Zu guter Letzt gießt du den Setzling einmal gut, damit die Wurzeln sich mit der Erde verbinden. Das erleichtert das Anwachsen.
  • Erschrecke nicht, wenn die Pflänzchen erstmal ihre Blätter hängen lassen. Nach ein paar Tagen sollten sie sich aufrichten. Es kann sein, dass das Umpflanzen ihnen einen Schock verpasst hat. Sobald die Wurzeln gut mit dem Erdreich verwachsen sind und Wasser aufnehmen können, sollten sich die Setzlinge wieder aufrichten.

Pflanzen pikieren mit Löffel
Du kannst auch einen Löffel als Pikierstab nutzen.

Tomaten umtopfen - das gibt's zu beachten

Oft werden Tomaten breitwürfig in Aussaatschalen ausgesät und müssen nach einiger Zeit pikiert werden. Alternativ kannst du auch in Multitopfpaletten anziehen und 2 bis 3 Samen pro Topf säen. In beiden Fällen brauchen die Tomatenkeimlinge nach ein paar Wochen einen größeren Topf mit nährstoffreicher Erde oder spezieller Tomatenerde.

Tomaten werden beim Pikieren in der Regel tiefer in die Erde gesetzt wie zuvor. Das gibt ihnen zusätzlich Stabilität, denn die Tomatenpflanzen bilden aus ihren Spross zusätzliche Wurzeln (Adventivwurzeln). Setze den Tomatenkeimling maximal bis zu den Keimblättern in die Gartenerde. Lasse die Keimblätter ruhig an der Pflanze. Ansonsten entsteht eine Wunde durch die Krankheiten einfacher eindringen können. Die Keimblätter sterben mit der Zeit einfach ab.

Wann Tomaten pikieren?

Tomaten bilden die ersten Laubblätter etwa drei Wochen nach der Keimung. Dann wird es Zeit, deine Tomatenkeimlinge zu pikieren. Von nun an wachsen sie zu stattlichen Jungpflanzen heran, bis sie ins Gewächshaus oder ggf. ins Freie gepflanzt werden. Wenn du weißt, dass es noch etwas hin ist bis zur Auspflanzung, solltest du einen entsprechend großen Topf für die Tomatenpflanze wählen.

Welche Temperatur brauchen Tomaten nach dem Pikieren?

Die optimale Keimtemperatur bei Tomaten liegt zwischen 20 bis 25 Grad. Nach dem Pikieren sollten die Tomatensetzlinge allerdings kühler stehen. Dann sind Temperaturen zwischen 15 bis 20 Grad perfekt. Ist es zu warm, riskierst du, dass deine Tomatenpflanzen vergeilen. Das Verhältnis zwischen Temperatur und Licht muss stimmen. Ansonsten entwickeln sich die Keimlinge nur dünn und schmächtig.


Umgetopfte Tomaten auf der Fensterbank
Nach dem Pikieren müssen Tomatensetzlinge etwas kühler stehen wie während der Keimung.

Chili/Paprika pikieren - so einfach geht's

Paprika und Chili werden ebenso wie Tomaten gerne vorgezogen. Diese Sonnenanbeter haben nämlich eine lange Wachstumszeit und brauchen den Vorsprung, damit wir am Ende der Saison auch ernten können. Das Pikieren funktioniert genau wie bei Tomatenkeimlingen. Auch Chili und Paprika kannst du tiefer in die Erde setzen, um die Stabilität zu erhöhen. Paprika setze ich allerdings nicht ganz so tief wie Tomaten, sondern nur so tief, dass ein bis zwei Zentimeter vom Spross aus der Erde schauen.

Wann Paprika pikieren?

Paprika ist eine sehr langsam wachsende Kultur, die viel Geduld abverlangt. Erst etwa vier Wochen nach der Keimung zeigen sich hier erste Laubblätter. Dann kannst du deine Paprikakeimlinge pikieren und umtopfen. Nach dem Pikieren sollten die Paprikapflanzen an einem hellen Plätzchen stehen mit Temperaturen um die 20 Grad.


Kohlrabi pikieren

Kohlrabipflanzen sind besonders früh im Jahr eine beliebte Kultur, denn sie sind robust und kälteresistent. Kohlrabikeimlinge brauchen daher nach dem Pikieren relativ niedrige Temperaturen zwischen 12 bis 15 Grad. Unter 12 Grad beginnen Kohlrabipflanzen, Knollen auszubilden.

Beim Kohlrabi pikieren kannst du die Keimlinge zwar etwas tiefer in die Erde setzen, das ist aber nicht unbedingt nötig. Vorallem bei vergeilten Kohlrabikeimlingen kann das der Pflanze aber mehr Stabilität geben. Generell gilt aber, nicht zu tief zu setzen, denn die Kohlrabipflanze bildet ihre Knollen oberirdisch über dem zweiten oder dritten Laubblatt.


Kohlrabisetzling
Pflanze Kohlrabisetzlinge nicht zu tief, denn die Knolle bildet sich oberhalb der Erdoberfläche.

Salat pikieren - Pflücksalat, Kopfsalat

Salat kannst du beitwürfig aussäen und als Pflücksalat oder Baby-Leaf-Salat ernten. Pflücksalat muss nicht pikiert werden. Sind deutlich zuviele Jungpflanzen gekeimt oder gesät, kannst du aber ein wenig ausdünnen. Alternativ gibt es Salate, die Köpfe bilden. Kopfsalate müssen pikiert und vereinzelt werden, um genug Platz zu haben.

Wann Salat pikieren?

Salatpflanzen wachsen relativ schnell: ein bis zwei Wochen nach der Aussaat kannst du pikieren. Hier ist eine ruhige Hand gefragt, denn die Salatkeimlinge sind ganz klein und zart. Beim Pikieren kannst du die Pflanzen etwas tiefer setzen, v.A. wenn deine Salatkeimlinge vergeilt sind. Allerdings sollte das Herz der Salatpflanze beim Auspflanzen später etwas erhöht eingepflanzt werden.


Gurken, Zucchini und Kürbis pikieren

Kürbisgewächse sind sehr wärmeliebende Kulturen mit einer relativ langen Wachstumsphase. Daher werden auch Gurken, Zucchini, Kürbis und Melonen häufig auf der Fensterbank vorgezogen. Anders als bei vielen anderen Kulturen versucht man hier, das Pikieren zu vermeiden. Die Wurzeln dieser Pflanzen sind nämlich sehr empfindlich und mögen pikieren und umtopfen nicht so sehr. Daher werden diese Kulturen meist einzeln ausgesät, direkt in einen größeren Topf (um die 10 cm).

Die Keimlinge dieser Gemüsepflanzen kannst du auch ohne weiteres tiefer setzen, zumal sie auch gerne vergeilen. Sie werden recht früh im Jahr gesät, wenn die Tage noch kurz und dunkel sind. Es sollte aber noch ein wenig Spross oberirdisch sichtbar sein und die Keimblätter etwa 2 bis 3 cm über der Erde rausschauen.


Selbstbezogene Kürbis-Setzlinge
Die Wurzeln von Kürbisgewächsen sind sehr empfindlich und mögen umtopfen gar nicht.

Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@fryd.app.

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Marie Marie (24) studiert Agrarwissenschaften. Sie liebt es, eigenes Gemüse im Garten anzubauen und Wildkräuter zu sammeln. Gemeinsam mit Freunden bewirtschaftet sie einen Garten und verbringt viel Zeit in der Natur.
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