Viele Gärtner:innen kennen das Problem bei der Anzucht: Keimlinge wachsen nur schwächlich oder gar nicht. Vor allem während der Keimung sind die meisten Gemüsepflanzen empfindlich und müssen gut mit Wasser und Licht versorgt werden. Zudem ist die Anzuchterde, in der die Keimlinge wachsen, ein zentraler Faktor. Hier im Artikel geben wir dir Tipps für das richtige Substrat, damit einer erfolgreichen Anzucht nichts mehr im Weg steht. Gerade bei torffreien Erden ist es wichtig zu wissen, worauf es ankommt. Hierfür haben wir Rat beim Pflanzenphysiologen und Gartenautor Steve Quarrie eingeholt. Er ist Experte für die Aussaat in torffreien Substraten und gibt wertvolle Tipps ganz nach der Devise: Wenn sich Materialien ändern, müssen sich auch die Anbaumethoden anpassen.
Früher war Torf der Standardbestandteil von Blumenerden. Er besitzt eine hohe Wasserspeicherkapazität und hilft dabei, das Substrat lange feucht zu halten – ein enormer Vorteil für die Anzucht. Allerdings stammt Torf aus Mooren, die extrem wertvolle Lebensräume für seltene Arten darstellen und gigantische Mengen an Kohlenstoff speichern. Zudem regulieren sie den Wasserhaushalt, indem sie Feuchtigkeit im Boden binden und so ganze Regionen stabil mit Wasser versorgen. Beim Torfabbau wird dieser Kohlenstoff freigesetzt und das Ökosystem massiv gestört, da der Boden seine wichtigste Eigenschaft verliert: die Fähigkeit, Wasser zu speichern.
Aufgrund der ökologischen Folgen des Torfabbaus findet im Gartenbau vieler Länder ein Umdenken statt, sodass verstärkt Alternativen ohne Torf produziert werden. Heute bestehen viele Anzuchterden und Pflanzsubstrate aus Materialien wie Holz- oder Kokosfasern, kompostierter Rinde, Grünkompost und mineralischen Bestandteilen wie Sand oder Perlite. Diesen neuen Substrate unterscheiden sich von den früheren Erden – sie können anders aussehen oder sich anders anfühlen. Dennoch bieten sie optimale Bedingungen für Jungpflanzen und wurden stetig weiterentwickelt, weshalb inzwischen auch viele Profi-Gärtnereien und Baumschulen erfolgreich damit arbeiten.
Ob du torffreie Erden nun magst oder nicht – man muss sich wohl oder übel damit abfinden, dass Torfsubstrate langfristig aus den Regalen verschwinden werden. Das ist jedoch halb so wild, denn auch mit torffreien Alternativen lassen sich hervorragende Pflanzen anziehen. Allerdings gibt es bei der Aussaat und vor allem bei der Bewässerung ein paar Dinge zu beachten. Mit einigen einfachen Anpassungen steht dem Erfolg bei der Aussaat aber nichts mehr im Weg. Ganz nach Steve Quarries dynamischem Ansatz erfährst du im Folgenden, wie du optimale Bedingungen für deine Schützlinge schaffst und an welchen Stellschrauben du drehen kannst.
Die richtige Anzuchterde ist die Grundlage.
Die richtige Anzuchterde ist die Grundlage.
Eine gute Anzuchterde ist humusreich, hat eine lockere, krümelige Struktur und eine hohe Wasserspeicherfähigkeit. Oft ist sie thermisch behandelt oder sterilisiert, damit sie keine Krankheitserreger, Pilzsporen oder Schädlinge auf die empfindlichen Keimlinge überträgt. Meist besteht sie aus einem Gemisch aus Gartenerde, Kompost und mineralischen Bestandteilen wie Sand oder Perlit. Du kannst sie entweder bereits fertig gemischt im Fachhandel kaufen oder einfach selbst herstellen. Eine Anleitung, wie du deine Anzuchterde selber machen kannst, findest du hier.
Du kannst übrigens mit einer Erdballenpresse auch ohne Töpfe anziehen.
Du kannst übrigens mit einer Erdballenpresse auch ohne Töpfe anziehen.
Hast du das passende Substrat und deine Anzuchttöpfe parat? Dann kann es losgehen! Falls du Anfänger bist und noch unsicher, was du für den Start alles benötigst: Hier erfährst du alles Wissenswerte über Anzuchttöpfe und weitere nützliche Hilfsmittel für die eigene Aussaat.
Zuerst befüllst du deine Anzuchttöpfe locker mit Erde. Damit sorgst du für eine luftige Struktur und eine optimale Sauerstoffversorgung im Wurzelbereich. Presse das Substrat nicht zu stark zusammen, um Verdichtungen zu vermeiden. So kann das Gießwasser deutlich besser versickern und die feinen Wurzeln können leichter anwachsen.
Tipps für die Aussaat
Tipps für die Aussaat
Bevor du mit der Aussaat startest, solltest du dir die spezifischen Bedürfnisse deiner Pflanzen klarmachen:
- Handelt es sich um Licht- oder Dunkelkeimer?
- Wie groß ist das Saatgut und wie tief muss es in die Erde?
- Und vor allem: Wie versorgst du die zarten Keimlinge am besten mit Wasser, ohne sie zu beschädigen?
Als grobe Faustregel kannst du dir merken: Säe Samen etwa doppelt so tief, wie sie groß sind. Winziges Saatgut gehört meist zu den Lichtkeimern; diese Samen werden gar nicht oder nur hauchdünn mit Erde bedeckt, da es die zarten Keimlinge sonst nicht bis an die Oberfläche schaffen. Aus großen Samen entwickeln sich hingegen kräftigere Keimlinge. Diese Dunkelkeimer werden in der Regel ein paar Zentimeter tief in die Erde gelegt.
Verwende am besten immer eine feine Brause zum Gießen. Besonders winzige Samen werden ansonsten leicht weggespült. Mit einem feinen Aufsatz kannst du das Wasser vorsichtig dosieren. Alternativ ist es möglich, von unten zu bewässern. Bei Lichtkeimern, die direkt an der Oberfläche liegen, ist es jedoch ratsam, auch von oben für ausreichend Feuchtigkeit zu sorgen, damit sie nicht austrocknen.
Du möchtest deine Pflanzen besser kennenlernen, ohne dich durch dicke Bücher zu wühlen? In unserem Fryd-Lexikon findest du schnell und einfach alles Wichtige zu verschiedenen Pflanzenarten und -sorten: von Aussaat-, Pflanz- und Erntezeiten über gute und schlechte Nachbarn bis hin zu Standort- und Pflegetipps.
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Die meisten Pflanzen kannst du beim Umtopfen tiefer in die Erde setzen.
Die meisten Pflanzen kannst du beim Umtopfen tiefer in die Erde setzen.
Für die meisten Gemüsepflanzen gilt: Während der Keimung stehen die Samen gerne etwas wärmer, nach dem Auflaufen genügen meist geringere Temperaturen. Entscheidend ist vor allem das richtige Verhältnis von Licht und Wärme. Ist es zu warm bei gleichzeitigem Lichtmangel, wachsen die Pflanzen meist nur sehr schwächlich. Generell ist es auf der Nordhalbkugel ratsam, die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche abzuwarten, da die Tage erst dann wieder lang genug sind. Alternativ kannst du die Anzucht mit speziellen Pflanzenlampen unterstützen. Meiner Erfahrung nach ist oft diese Kombination aus zu viel Wärme und zu wenig Licht für das Vergeilen der Pflanzen auf der Fensterbank verantwortlich.
Die richtige Gießroutine unterstützt das Wurzelwachstum.
Die richtige Gießroutine unterstützt das Wurzelwachstum.
Da Wasser extrem wichtig für die Keimung ist, möchte man natürlich alles richtig machen. Sobald die Oberfläche trocken wirkt, wird nachgegossen – erkennst du dich hier wieder? Genau das ist der Grund, warum viele Keimlinge zu viel Wasser bekommen, was zu Fäulnis oder Pilzbefall führen kann. Wir raten dir daher zur Fingerprobe: Stecke deinen Finger in die Erde und prüfe, ob sie 1–2 cm unter der Oberfläche noch feucht ist. Erst wenn es dort trocken ist, solltest du gießen. Es ist nämlich sogar von Vorteil, wenn die Oberfläche zwischendurch abtrocknet. Das animiert die Pflanzen dazu, in tiefere Schichten vorzudringen und kräftigere Wurzeln auszubilden. Aus diesem Grund ist übrigens auch die Bewässerung von unten besonders empfehlenswert.
Mit den ersten echten Blättern wird es Zeit fürs Pikieren und Umtopfen.
Mit den ersten echten Blättern wird es Zeit fürs Pikieren und Umtopfen.
Anzuchterde ist oft weniger nährstoffreich. Der Grund dafür: Das Saatgut enthält bereits alle Reserven, die für die Keimung sowie die Bildung der ersten Wurzeln und Keimblätter nötig sind. Tatsächlich werden junge Pflanzen sogar anfälliger für Krankheiten und wachsen oft zu schnell und damit instabil, wenn das Substrat zu nährstoffreich ist. Erst wenn sich nach den Keimblättern die ersten „echten“ Laubblätter zeigen, ist es Zeit für das Umtopfen und/oder Pikieren in eine gehaltvollere Erde.
Beim Pikieren werden deine Pflanzen vereinzelt.
Beim Pikieren werden deine Pflanzen vereinzelt.
Sobald die Jungpflanzen mehrere Blätter entwickelt haben, kannst du sie in größere Töpfe mit frischer, nährstoffreicher Erde setzen. Befülle den neuen Topf zuerst mit Substrat – dieses Mal darf es gehaltvoller sein, damit die Pflanzen bis zum endgültigen Auspflanzen optimal versorgt sind. Der Vorgang ist simpel: Setze den Keimling vorsichtig ein und drücke die Erde leicht an. Falls du deine Keimlinge vorher vereinzeln musst, findest du hier eine Anleitung zum Pikieren sowie weitere Tipps zum richtigen Umtopfen. Oft ist es dabei sogar von Vorteil, die Pflanzen etwas tiefer in die Erde zu setzen. Wichtig ist in jedem Fall das anschließende Angießen: Dadurch können die Wurzeln Bodenkontakt herstellen und gut anwachsen. Ohne Wasser würden die Pflanzen schnell den Kopf hängen lassen.
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Marie ist Agrarwissenschaftlerin. Sie interessiert sich besonders für den nachhaltigen und ökologischen Anbau von Gemüse und anderen Pflanzen. Im eigenen Garten sammelte sie dabei Erfahrungen und probiert sich gerne aus, um von der Natur zu lernen. Dabei liegen ihr Werte und Prinzipien der Permakultur besonders am Herzen, um neben dem Wohl für die Natur, auch für das Wohlergehen der Menschen und zukünftiger Generationen beizutragen.
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Kleines Umgestaltung neu Weg, neu mini Teich und etwas dekoriert 🥰
Hallo Zusammen, ich habe folgendes Problem: meine Setzlinge sind voll mit Fruchtfliegen , es sind keine Trauermücken, sie sind braun und nicht schwarz und haben den typischen körperbau einer fruchtfliege. Wie werde ich die dinger jetzt aus den Töpfen los? Ich habe nirgends offenes essen ähnliches rumliegen woher sie kommen könnten. #setzlinge #schädlinge
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Mhmmm der Moment, wenn man überlegt was dieses Jahr an Obst/ Gemüse in die Kästen soll. Haut mal spontan raus, was euch in den Sinn kommt. 🤪
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Warum ist die richtige Anzuchterde so wichtig?
Weil Keimlinge in der frühen Phase besonders empfindlich sind. Gute Anzuchterde sollte locker, krümelig, fein sein sowie eine gute Wasserspeicherfähigkeit haben, damit Samen gut keimen und junge Wurzeln sich entwickeln können.
Warum werden heute viele Anzuchterden torffrei hergestellt?
Weil Torf aus Mooren stammt. Diese speichern viel Kohlenstoff, regulieren Wasser und sind wertvolle Lebensräume. Torffreie Substrate werden deshalb aus ökologischen Gründen immer wichtiger.
Warum vergeilen Keimlinge und was hilft dagegen?
Keimlinge vergeilen vor allem bei zu wenig Licht und oft auch bei zu viel Wärme. Stelle sie heller und eher kühler oder unterstütze die Anzucht mit Pflanzenlampen.
Wann sollten Keimlinge umgetopft oder pikiert werden?
Sobald die Jungpflanzen mehrere Blätter entwickelt haben beziehungsweise nach den Keimblättern die ersten echten Laubblätter erscheinen. Dann dürfen sie in nährstoffreichere Erde umziehen und vorsichtig vereinzelt werden.