Pilze im Garten sind oft ein Zeichen für lebendige Erde – aber nicht jeder Pilz ist willkommen. Besonders faszinierend: die Mykorrhiza-Pilze, die im Verborgenen arbeiten und Pflanzen beim Wachsen helfen. Doch was steckt wirklich hinter der Symbiose von Pilz und Wurzel? Und wann sind Pilze im Beet ein Problem?
Pilze sind außergewöhnliche Organismen: Sie sind weder Pflanzen noch Tiere, sondern bilden ein eigenes Reich. Das Reich der Fungi. Anders als Pflanzen betreiben sie keine Photosynthese, sondern ernähren sich von organischem Material. Anders als Tiere nehmen sie ihre Nahrung nicht aktiv auf, sondern zersetzen sie mit Enzymen und nehmen sie dann auf. Biologisch gesehen sind sie zwar näher an den Tieren, jedoch kann man Parallelen zu beiden Lebensformen finden.
Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor)/ Bild von James Lindsey at Ecology of Commanster, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3565096
Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor)/ Bild von James Lindsey at Ecology of Commanster, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3565096
Manche Pilzarten zersetzen totes organisches Material, dabei sind sie auch in der Lage, grobes Material wie Holz und Laub zu zersetzen. Daher spielen diese Pilze eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von organischem Material zu Humus im Boden. Beispiele für diese Pilze sind Tintlinge, Birkenporling oder Champignons.
Wurzeln mit einer Mykorrhiza /Bild von Ellen Larsson - R. Henrik Nilsson, Erik Kristiansson, Martin Ryberg, Karl-Henrik Larsson (2005). "Approaching the taxonomic affiliation of unidentified sequences in public databases – an example from the mycorrhizal fungi". BMC Bioinformatics 6: 178. DOI:10.1186/1471-2105-6-178., CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=459872
Wurzeln mit einer Mykorrhiza /Bild von Ellen Larsson - R. Henrik Nilsson, Erik Kristiansson, Martin Ryberg, Karl-Henrik Larsson (2005). "Approaching the taxonomic affiliation of unidentified sequences in public databases – an example from the mycorrhizal fungi". BMC Bioinformatics 6: 178. DOI:10.1186/1471-2105-6-178., CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=459872
Eine andere Strategie ist die Symbiose mit Pflanzen – eine kooperative Zusammenarbeit, von der beide Partner profitieren. Hier verbinden sich die Pilze mit den Pflanzenwurzeln, wobei sie Zucker von den Pflanzen erhalten. Im Gegenzug erhält die Pflanze Wasser und Nährstoffe. Diese Pilze sind die Mykorrhiza-Pilze und hierzu zählen z. B. Pfifferlinge, Steinpilze oder Trüffel.
Echter Mehltau /Bild von Heizer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42754
Echter Mehltau /Bild von Heizer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42754
Und zum Schluss gibt es noch die parasitären Pilze: pathogene Pilzkrankheiten, die andere Lebewesen befallen und schädigen. Sie entziehen ihnen ihre Nährstoffe. Als Folge sterben erst die Blätter und dann meist die ganze Pflanze. Diese Pilzkrankheiten wie Mehltau, Grauschimmel oder Rost sind vor allem in der Landwirtschaft und im Hobbygarten ein großes Problem.
Im Garten wachsen verschiedenste Pilze mit unterschiedlichen Aufgaben. Daher kannst du an verschiedenen Stellen Pilze antreffen – entweder im Beet, auf dem Rasen, auf Totholz oder sogar auf deinen Pflanzen. Manche davon sind gut für das Ökosystem, andere können erheblichen Schaden anrichten.
Hier kommt es ganz drauf an, welchen Pilz du in deinem Garten hast.
Die Zersetzer und die Mykorrhizapilze, also die Pilze, die auch einen Fruchtkörper ausbilden, deuten auf ein Myzel im Boden hin. Oft gibt es das Vorurteil, dass das ein schlechtes Zeichen ist, allerdings bringt ein Myzel auch viele Vorteile, wie etwa eine bessere Nährstoffversorgung der Pflanzen und eine bessere Humusbildung im Boden. Daher sind besonders Mykorrhiza-Pilze wünschenswert und fördern eine gesunde Pflanzengesellschaft.
Allerdings gibt es auch Pilze, die auf ein Ungleichgewicht im Boden hinweisen können: Staunässe, Verdichtung oder Überdüngung. Generell gilt: Ab und zu ein Pilz im Beet oder Blumentopf ist kein Problem. Wenn sie aber massenhaft auftreten, solltest du überprüfen, ob es eine Stellschraube gibt, die du verändern kannst. Die Fruchtkörper der Pilze sind nie das Problem, denn sie geben dir Einblicke in den Boden und was unterirdisch passiert. Sie sind also eher eine Hilfe – vergleichbar mit Zeigerpflanzen.
Dann gibt es aber noch die pathogenen Pilze und diese sind ohne jede Frage ein Problem für die Pflanzen, da diese meist sterben. Hier musst du auf jeden Fall handeln. Wie du erkennen kannst, ob es sich um eine Pflanzenkrankheit handelt, erfährst du hier im Beitrag.
Wenn du eine zweite Meinung brauchst, kannst du deine Fragen mit unserer Community teilen. Hier bekommst du Rat und Unterstützung von zahlreichen erfahrenen Gärtner:innen. Darunter sind auch einige Pilzfans, die dir hilfsbereit zur Seite stehen.
Jetzt Teil der Community werdenWie bereits erwähnt, ist die Mykorrhiza eine Lebensgemeinschaft zwischen Pflanzen und Pilzen, die beiden Partnern Vorteile bringt.
Der Pilz besiedelt die Pflanzenwurzel und stellt eine Verbindung zur Pflanze her. Individuell gesehen bekommt der Pilz Zucker von den Pflanzen, denn Pilze können keine Photosynthese betreiben und ihn nicht selbst herstellen. Deswegen gibt es eben auch parasitäre Pilze, die sich den Zucker einfach nehmen. Der Pilz hilft im Gegenzug, durch Enzyme Nährstoffe im Boden verfügbar zu machen und liefert diese den Pflanzen. Ohne Mykorrhiza wäre der Großteil des wichtigen Pflanzennährstoffs Phosphor nicht pflanzenverfügbar im Boden. Umgekehrt kannst du dich bei einem Phosphormangel deiner Pflanzen fragen, ob dein Boden aus dem Gleichgewicht geraten ist und zu wenig Mykorrhiza vorhanden ist.
Denn das Mykorrhiza-Netz ist riesig: etwa 85 % aller Landpflanzen leben in Mykorrhiza-Symbiose. Damit sind nicht nur Pilze und Pflanzen verbunden, sondern auch Pflanzen im Ökosystem untereinander. Das Myzel kann dabei auch Reize weiterleiten, die andere Lebewesen im System über den Boden informieren. Somit ist es vergleichbar mit dem unterirdischen Internet des Bodens.
Wie bereits angerissen, verbindet das Myzel der Mykorrhizapilze viele Pflanzen über mehrere Quadratmeter. So entsteht eine größere Fläche zur Nährstoff- und Wasseraufnahme. Dabei ergeben sich mehrere Vorteile für die Pflanzen.
Wichtig zu wissen ist an dieser Stelle, dass Mykorrhiza-Pilze meist eine Symbiose mit Bäumen oder Gehölzen eingehen. Bei Gemüsepflanzen ist sie eher selten. Daher ist Mykorrhiza auch oft nicht in Gemüsebeeten vorhanden. Das liegt auch daran, dass Mykorrhiza sehr empfindlich gegenüber Bodenbearbeitung ist.
Verzichte auf das Umgraben!
Verzichte auf das Umgraben!
Damit ein Myzel entstehen kann, solltest du auf das Umgraben und starke Bodenbearbeitung verzichten – das stört das Myzel. Besser ist es, zu mulchen oder Kompost aufzubringen. Diese Methode nennt sich No-Dig-Methode. Zudem ist es wichtig, dass du viele heimische und mykorrhizafreundliche Arten wie z. B. Hasel (Corylus avellana), Steileiche (Quercus robur) oder Margerite (Leucanthemum vulgare) in deinem Garten hast.
Der letzte Punkt ist, dass diese Symbiosen entstehen, damit kein Mangel entstehen kann. Wenn du jedoch viel düngst, bilden sich solche wertvollen Symbiosen nicht, denn die Pflanzen können sich dann selbst versorgen.
Nun stand vermutlich fast jede:r Gärtner:in schon mal im Garten und hat einen Pilz im Beet oder Blumentopf gefunden. Nun stellt sich die Frage: Pilz abschneiden oder stehen lassen?
Hier ist es zunächst einmal wichtig zu wissen, dass der Fruchtkörper – also der Pilz an sich – nur ein winzig kleiner Teil des Pilzes ist. Selbst wenn du den Pilz abschneidest, bleibt das Myzel bestehen. Ich lasse daher die Pilze meist einfach friedlich wachsen.
Hast du es mit einer starken Ausbreitung zu tun, kannst du die Fruchtkörper abschneiden, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen. Und dann solltest du dem Ganzen auf den Grund gehen. Denn das Problem sind nicht die Pilze. Wenn sich Pilze oder Krankheiten zu stark ausbreiten, solltest du dich immer fragen: Wieso?
Nachdem du die Ursache gefunden hast, kannst du passende Maßnahmen ergreifen, z. B. die Gießroutine anpassenoder den Gartenboden verbessern. Bitte nutze keine Fungizide, denn so schädigst du alle Pilze im System – und wie du in diesem Artikel gelernt hast, haben sie durchaus Vorteile im Garten.
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Titelbild: KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI)
Marie ist Agrarwissenschaftlerin. Sie interessiert sich besonders für den nachhaltigen und ökologischen Anbau von Gemüse und anderen Pflanzen. Im eigenen Garten sammelte sie dabei Erfahrungen und probiert sich gerne aus, um von der Natur zu lernen. Dabei liegen ihr Werte und Prinzipien der Permakultur besonders am Herzen, um neben dem Wohl für die Natur, auch für das Wohlergehen der Menschen und zukünftiger Generationen beizutragen.
Mehr erfahrenKann mir jemand verraten, wieviel kg Saatkartoffeln ich für 2 Reihen mit jeweils ca. 5 Metern Länge kaufen muss? Habe seit gefühlt hundert Jahren keine Kartoffeln mehr angebaut und möchte dieses Jahr doch mal wieder einen Versuch starten.
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Tomaten und Paprika mögen unser kaltes Wasser nicht. Mit #tonbewaesserung2026 im Gewächshaus könnte ich gleich gleich zwei Probleme lösen, warmes Wasser über ein Fass und weniger Gießkannen schleppen.
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In einigen Beeten haben wir schon sehr gute Erfahrungen mit selbstgebauten Ollas gemacht. Auch diese Jahr sind die ersten schon wieder in den Beeten. Der Vorteil ist, dass das Wasser in der Tiefe verteilt wird und an der Oberfläche nicht so viel verdunstet. Dadurch kann man sich einiges an Wasser sparen. Außerdem werden alle Beet ordentlich mit Hackschnitzel gemulcht. So hält es der Garten auch im Hochsommer Mal zwei Wochen ohne Wasser aus. Gegossen wird in der Regel mit Regenwasser aus drei großen Regentonnen und zur Not mit dem Schlauch. Im Gewächshaus würden die Ollas aber zu viel Platz weg nehmen, hier wäre der ideale Testrahmen für eine #tonbewaesserung2026
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Mykorrhiza ist eine Symbiose zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln: Der Pilz liefert der Pflanze Wasser und Nährstoffe, und im Gegenzug erhält er von der Pflanze Zucker.
Sind Pilze im Beet immer schlecht?
Nein — es kommt auf die Art an. Zersetzer und Mykorrhiza-Pilze sind meist nützlich, während pathogene Pilze (z. B. Mehltau, Rost) schädlich sind.
Was tun, wenn viele Pilze im Beet auftreten?
Bei starker Ausbreitung kannst du die Fruchtkörper abschneiden, aber wichtiger ist: die Ursache analysieren (z. B. Bodenfeuchtigkeit, Verdichtung, Überdüngung).
Wie kann man Mykorrhiza im Garten fördern?
Verzichte auf Umgraben und starke Bodenbearbeitung (No-Dig), mulche, bring Kompost ein und pflanze heimische und mykorrhizafreundliche Gehölze und Bäume.
Warum schadet der Einsatz von Fungiziden?
Fungizide vernichten nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Pilze im System, und damit zerstörst du potenziell wichtige Mykorrhiza-Beziehungen.