Wir sind im tiefsten Winter, die Natur schläft - kaum Pflanzen wachsen und lebendiges Grün ist selten im Wald anzutreffen. Auch im Garten sind die meisten Pflanzen im Winterschlaf und wachsen langsam oder gar nicht. Mit ein paar wenigen Ausnahmen: Die immergrünen Nadelbäume behalten auch im Winter ihre Nadeln und geben uns einen grünen Lichtblick. Wusstest du, dass auch Tannen-, Fichten- und Kiefernnadeln essbar und zudem sehr gesund sind? Unsere Vorfahren nutzten sie im Winter als Erkältungsmittel und als Vitamin-C-Quelle, die in unseren Breiten im Winter rar ist. Was du alles mit den Nadeln machen kannst und worauf du beim Sammeln achten musst, erfährst du hier im Artikel.
Die Nadeln von Tannen, Fichten und Kiefern sind wertvolle Begleiter im Winter. Schon unsere Vorfahren wussten, dass sie wertvolle ätherische Öle und, vor allem die jungen Triebe, auch viel Vitamin C enthalten. Das macht sie zu einem perfekten Heilmittel zur Prävention von Erkältungen und zur Stärkung des Immunsystems. Auch bei einer einsetzenden Erkältung helfen die ätherischen Öle bei Gliederschmerzen, Erschöpfung und bei der Schleimlösung. In einer sehr interessanten Studie wurde sogar belegt, dass bereits das Riechen an Tannennadeln das Immunsystem aktiviert. Das liegt daran, dass die ätherischen Öle durch das Riechen auf den Schleimhäuten eine Stickstoffmonoxid-Freisetzung auslösen. Stickstoffmonoxid ist wichtig bei der Immunabwehr und kann Krankheitserreger direkt zerstören. Übrigens wird beim Summen ebenfalls Stickstoffmonoxid freigesetzt, weshalb es bei Halsschmerzen oder beginnender Erkältung in den Atemwegen helfen kann, viel zu summen.
Hier lernst du, wie du die essbaren Nadelbäume erkennen und von der giftigen Eibe unterscheiden kannst! Bitte pflücke nur Nadeln, die du eindeutig bestimmt hast. Hierbei haben die jungen, hellgrünen Triebspitzen den höchsten Gehalt an ätherischen Ölen und Vitamin C und sind damit besonders beliebt. Achte allerdings darauf, dass du mit Respekt sammelst und auch nur moderate Mengen mitnimmst. Sammle lieber von vielen verschiedenen Bäumen eine Handvoll, anstatt nur von einem Baum. Es ist Winter, das Licht ist rar und die Bäume haben nicht viele Ressourcen, um zu wachsen.
Kiefernnadeln sind recht lang. Bild von Gaz_D auf Pixabay.
Kiefernnadeln sind recht lang. Bild von Gaz_D auf Pixabay.
Kiefern (Pinus) sind eine der am weitesten verbreiteten Nadelbaumarten in Mitteleuropa. Kiefern sind auch in Deutschland, aber vor allem in Brandenburg, sehr verbreitet, wo fast 70 % der Waldfläche mit Kiefern bedeckt ist. Sie sind gut zu erkennen an einigen charakteristischen Merkmalen: Sie haben eine besondere Baumrinde, die auch Spiegelrinde genannt wird. Diese ist rotbraun bis graubraun und löst sich in feinen Blättchen vom Stamm, oft ist auch Fichtenharz am Baum zu finden. Die steifen und recht langen Nadeln wachsen paarweise aus einer Nadelscheide. Oft wachsen sie spiralförmig um den Ast herum und sind blaugrün bis silbergrau.
Tannennadeln haben zwei weiße Striche.
Tannennadeln haben zwei weiße Striche.
Tannen (Abies) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Tannenbäume sind eindeutig an ihren Nadeln zu erkennen. Diese sind dunkelgrün glänzend und haben auf der Nadelunterseite ganz charakteristisch deutlich zwei weiße Streifen. Anders als bei der Kiefer, wachsen die Nadeln hier seitlich und zweizeilig am Ast (wie ein Kamm). Damit kannst du sie gut erkennen. Ihre Nadeln stechen nicht und beim Zerreiben versprühen sie einen harzigen, leicht zitronigen Duft. Die Tannenzapfen wachsen aufrecht am Zweig.
Fichtennadeln stechen und duften intesiv. Bild von Андрей Архипов auf Pixabay.
Fichtennadeln stechen und duften intesiv. Bild von Андрей Архипов auf Pixabay.
Fichten (Picea) gehören zwar auch den Kieferngewächsen (Pinaceae) an, jedoch bilden sie nochmal eine eigene Unterfamilie der Piceoideae. In Mitteleuropa ist aus dieser Familie die Gemeine Fichte (Picea abies) heimisch und weit verbreitet. Fichten werden oft für Tannen gehalten aufgrund ihrer großen Ähnlichkeit. Jedoch gibt es deutliche Unterschiede, vor allem bei den Nadeln: Fichtennadeln sind steif und spitz, weshalb sie auch stechen. Sie wachsen zu allen Seiten rund um den Zweig und duften deutlich intensiver als Tannennadeln. Jede Nadel sitzt direkt am Zweig und steht einzeln. Die Zapfen wachsen nach unten hängend und fallen als Ganzes zu Boden.
Die Eiben (Taxus) sind hochgiftige Bäume, die bereits in vergleichsweise kleinen Mengen für einen Erwachsenen tödlich enden können. Das liegt an den enthaltenen Alkaloiden (Taxin I und II sowie dem cyanogenen Glykosid Taxicatin). Alle Teile der Pflanze sind stark giftig mit Ausnahme der roten Samenmänteln. Die roten Samenmäntel sind süß im Geschmack und essbar, allerdings sind die Samen wieder hochgiftig und bereits ein verschluckter Same kann lebensgefährlich werden!
Kommt es zu einer oralen Einnahme, setzen bereits kurz danach Bewusstseins- und Kreislaufstörungen ein, auf die meist innerhalb weniger Stunden der Tod aufgrund von Atemlähmung folgt! Also bitte schau dir genau an, wie die Eibe aussieht und versichere dich, dass du die richtigen Nadelbäume beerntest. In der Regel sind Eiben aber gut zu erkennen. Sie haben zwar ein tannenähnliches Aussehen, jedoch mit flachen und sehr weichen Nadeln. Die Blattunterseiten sind hellgrün, ebenfalls mit zwei Streifen, die aber eindeutig von der Tanne abgrenzbar sind, denn die Tanne hat wirklich weiße, schmale Streifen und die Eibe breite, hellgrüne Streifen. Im Herbst trägt dieser Baum seine charakteristischen roten Früchte. Anders als die meisten anderen Nadelbäume, die hier in den Rezepten verwendet werden, riechen die Nadeln der Eibe beim Zerreiben kaum bis gar nicht!
Wir möchten dir hier ein paar Inspirationen und Ideen geben, was du mit den Nadeln alles machen kannst. Natürlich ist deiner Kreativität keine Grenze gesetzt und es gibt noch viele weitere Möglichkeiten!
Du kannst die Nadeln entweder frisch nutzen und wie Gewürzgurken einlegen, zu einer leckeren Nachspeise mit Schokolade verarbeiten, oder frisch einen Tee aufgießen. Zudem kannst du die Nadeln auch frisch fermentieren und eine leckere Tannensoda oder Fichtensoda herstellen. Das Rezept dazu findest du weiter unten.
Du kannst die Nadeln auch trocknen und dann entweder als Gewürz oder Tee nutzen, oder zu einem Sirup weiterverarbeiten. Dieser Sirup ist übrigens auch ein tolles Mittel bei Erkältungen und eignet sich auch als Hustensaft. Getrocknet lassen sie sich ähnlich wie Rosmarin zu einem leckeren Tannensalz verarbeiten. Hierzu die Nadeln einfach mit einem Mörser zerkleinern und dann mit Salz vermengen.
Neben den Nadeln lässt sich zumindest bei der Fichte auch recht einfach das Harz von der Rinde absammeln. Dieses Harz ist super für die Haut und wirkt auch hier antibakteriell und entzündungshemmend. Du kannst daraus eine Fichtenharzsalbe herstellen. Du siehst schon, es gibt so viele tolle Möglichkeiten, mit diesen Nadelbäumen zu arbeiten und zu nutzen.
Leckeres Getränk mit Tannen- und Fichtennadeln
Leckeres Getränk mit Tannen- und Fichtennadeln
Das ist ein besonders einfaches Rezept und du brauchst wirklich nicht viel. Vermutlich hast du die meisten Zutaten bereits zuhause. Alles, was du brauchst, ist: Honig, Wasser, ein Weckglas und zwei kleine Zweige von Nadelbäumen deiner Wahl (Tanne, Kiefer oder Fichte). Du kannst natürlich auch verschiedene Nadelbäume mischen, hier kannst du dich ausprobieren und schauen, was dir am besten schmeckt. Wie bereits erwähnt hat die Kiefer ein besonders starkes Aroma.
Leckeres Dessert mit Fichtenspitzen
Leckeres Dessert mit Fichtenspitzen
Ein beliebtes und sehr bekanntes Rezept vor allem für frische Fichtenspitzen ist es, sie in Schokolade zu tunken. Das ist ein leckerer und süßer Snack für dein Immunsystem. Zudem ist die Kombination der harzig-frischen Fichtenspitzen zusammen mit der Schokolade ein Traum. Dieses Rezept ist wirklich nur für die ganz jungen Triebe geeignet, denn die älteren sind schon zu holzig.
Du brauchst lediglich eine Handvoll junge Fichtenspitzen, Kuvertüre deiner Wahl und ein Backpapier - und schon kann es losgehen! Bringe die Kuvertüre in einem Wasserbad zum Schmelzen und tunke die Fichtenspitzen in die flüssige Schokolade. Die fertigen Schokospitzen legst du dann auf das Backpapier, damit die Schokolade aushärten kann.
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Marie ist Agrarwissenschaftlerin. Sie interessiert sich besonders für den nachhaltigen und ökologischen Anbau von Gemüse und anderen Pflanzen. Im eigenen Garten sammelte sie dabei Erfahrungen und probiert sich gerne aus, um von der Natur zu lernen. Dabei liegen ihr Werte und Prinzipien der Permakultur besonders am Herzen, um neben dem Wohl für die Natur, auch für das Wohlergehen der Menschen und zukünftiger Generationen beizutragen.
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Fühle mich wie in der alten Heimat 😶🌫️ #HamburgerWetter
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Ich starte mal eine Runde Saatgutkisten-Inspiration 😍😘
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Saatgut ist bestellt und sortiert! Neu in diesem Jahr wird Stangensellerie und Lauch! Aussaaterde ist auch da, Dünger, Aktivkohle und Urgesteinsmehl auch! Die nächsten Wochenenden sind schon für andere Aktivitäten geplant. Das ist purer Selbstschutz, sonst würde ich vermutlich jetzt schon vorziehen, ist bei meinen Möglichkeiten einfach zu früh!😆
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Was kann man aus Tannen- und Fichtennadeln machen?
Du kannst die Nadeln frisch als Tee nutzen, fermentieren (z. B. Tannensoda), trocknen und als Gewürz verwenden oder sie zu Sirup oder Konfekt verarbeiten.
Sind Tannen-, Fichten- und Kiefernnadeln essbar?
Ja, Nadeln von Tannen, Fichten und Kiefern sind essbar und enthalten wertvolle ätherische Öle und Vitamin C.
Wie mache ich Tannensoda aus Nadeln?
Mische Wasser mit Honig in einem Glas, gib einige Nadelzweige dazu, verschließe das Glas und lasse es drei Tage stehen, bis es leicht sprudelt.