In diesem Artikel erfahrt ihr, was es mit den Eisheiligen auf sich hat, wie aktuell die Bauernregel ist und was du zum Frostschutz deiner Pflanzen tun kannst.
Die Eisheiligen dienen Gärtnerinnen und Gärtnern seit Jahrhunderten als Richtwert. Sie bringen Mitte Mai die letzten Fröste des Jahres. Danach bleibt das Wetter weitestgehend konstant und die Spätfröste sind überstanden. Ab Mitte Mai kann also nach Belieben alles gepflanzt und gesät werden, was dieses Jahr noch im Beet wachsen soll. In Mitteleuropa gehen die Eisheiligen üblicherweise von 11. Mai bis zur kalten Sophie am 15. Mai. Daher wird in Deutschland und Österreich überwiegend der Zeitraum bis zum 15. Mai als die eigentlichen Eisheiligen angesehen.
Jedes Jahr die selbe Frage: Kann ich schon vor Mitte Mai auspflanzen? Wir wollten es genauer wissen und haben recherchiert, mit Expert:innen gesprochen und euch in der Community gefragt.
Die Expert:innen sind sich weitgehend einig: Die Eisheiligen gibt es in der Form, wie sie immer wieder dargestellt werden, eigentlich nicht. Besonders anschaulich erklärt das Jörg Kachelmann in seinem Blog-Beitrag „Warum es keine Eisheiligen gibt” anhand von Wetterdaten zwischen 1950 und heute. Er kommt zu einem klaren Ergebnis: Ja, es gibt noch Frost im Mai. Aber nein, nicht gehäuft in dieser einen Woche, sondern abnehmend immer weniger von Anfang bis Ende Mai.
Der SWR ist in seinem neuen Bericht ähnlicher Meinung. Demnach haben der Klimawandel und die Erderwärmung dafür gesorgt, dass wir Gärtner:innen die Eisheiligen nicht mehr so fürchten müssen. Laut dem SWR wäre eine, für die heutige Zeit passendere, Bauernregel: „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun' und Fass“ und nicht „Die kalte Sophie macht alles hie“.
Wir haben euch gefragt: „Wie oft hattest du in den letzten fünf Jahren richtigen Frost während der Eisheiligen?“ Bei euch allen zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Mai war in den letzten Jahren öfters durchwachsen und es gab zwar kühle Nächte, aber keinen richtigen Frost während der Eisheiligen, sondern eher Anfang Mai (wenn überhaupt). Jedoch haben einige von euch Unwetter mit schweren Stürmen und Hagel erlebt, wovon bereits ausgepflanzte Pflänzchen sehr mitgenommen waren.
Hier geht es zum Beitrag in der Community.
Fazit: Je nach Region gibt es im Mai also noch eine gewisse Frost-Gefahr. Aber an bestimmten Tagen sollten wir Gärtner:innen das nicht fest machen, vor allem dann nicht, wenn wir die Saison ideal ausnutzen wollen. Wir sollten also die Wetterbedingungen in unserer Region beobachten und dann entscheiden, wann wir unsere Pflanzen in die Beete umsiedeln. Wir bleiben natürlich dran an dem Thema, gerade auch in Hinblick auf den Klimawandel.
Es gibt viele Diskussionen darüber, ob die Eisheiligen auch in Zeiten des Klimawandels noch gültig sind. Der Klimawandel macht nämlich so manche alte Bauernregel ungenau: Extreme Temperaturereignisse nehmen zu und das Wetter verändert sich durch die Verschiebung der Klimazonen. So verändert sich die Beständigkeit der Witterung, was für Landwirt:innen und Gärtner:innen zur Herausforderung werden kann. Es ist nun gut möglich, dass die Eisheiligen auch schon Wochen vor dem fixen Termin Mitte Mai stattgefunden haben. Dadurch verlängert sich die Vegetationsperiode und es kann schon früher ins Freiland gepflanzt werden. Oder andersrum können auch noch nach den ursprünglichen Eisheiligen weitere Spätfröste auftreten. Das Problem hierbei sind aber häufig weniger die Fröste an sich, sondern die ungewöhnlich warmen Frühjahrtemperaturen in den Wochen davor. Dadurch werden die Pflanzen in ihrem Wachstum angeregt und kommen früher in die Blüte. Die Kombination aus schnellerem Pflanzenwachstum und späteren Frösten kann den empfindlichen Blüten und wärmeliebenden Pflanzen zum Verhängnis werden. Das betrifft aber hauptsächlich Dauerkulturen wie Obstbäume und Weinreben. Gemüsepflanzen sind da weniger empfindlich, denn sie blühen meist erst gegen Ende der Vegetationsperiode oder im darauffolgenden Jahr.
Aufgrund der Unberechenbarkeit des Wetters lohnt es sich den Wetterbericht gut im Auge zu behalten, um bei Spätfrostgefahr schnell reagieren zu können. Wenn kühlere Nächte angesagt sind, kannst du empfindliche oder junge Gemüsepflanzen mit einem Frühbeet oder Vlies abdecken. Wenn du Obstbäume oder Weinreben in deinem Garten hast, solltest du sie ebenfalls entsprechend bedecken. Je nach Entwicklungsstadium solltest du sie gut einpacken, damit sie die kalten Nächte gut überstehen. Wie du deine Pflanzen vor Frost schützen kannst, erfährst du im Folgenden.
Nach einem Frostereigniss kann es sein, dass einige deiner Pflanzen Schaden genommen haben. Das Ausmaß des Schadens zeigt sich meist bis zu einer Woche nach dem Frost. Das Gute dabei ist, dass meist nicht die ganze Pflanze geschädigt wird. Denn späte Fröste wirken meist nur oberflächlich und der Boden sowie die Wurzeln der Pflanzen gefrieren nicht (mit Außnahme bei Kübelpflanzen!). Daher erfriert selten die ganze Pflanze, sondern nur die Teile, die der Kälte schutzlos ausgeliefert waren. Meist vertrocknen die erfrorenen Teile dann und sterben ab. Hat die Pflanze überlebt treibt sie in der Regel neu aus und glänzt bald schon wieder in alter Schönheit.
Du kannst Frostschäden bereits vorbeugen, indem du deinen Garten entsprechend planst. Gebe wenn möglich sonnenliebenden und empfindlichen Bäumen oder anderen Kulturen ein windgeschütztes Plätzchen an der Südseite. Falls du keinen windgeschützen Platz hast, kannst du eine Hecke gestalten, die als Windschutz dient und ein wärmeres Mikroklima in deinem Garten schafft (vorallem mit Öffnung zur Südseite). Achte hierbei darauf, dass die Wind- und Wetterfront von Westen kommt und richte die Hecke entsprechend aus. Hast du einen Hanggarten, musst du bedenken, dass kalte Luft immer nach unten sinkt. Pflanze daher in Senken und Tälern frostharte Gehölze wie beispielsweise Johanisbeere oder Brombeere. Den Garten sinnvoll und nach natürlichen Prinzipien zu planen entstammt der Permakultur (='permanent agriculture'). Mehr dazu findest du in unserem Artikel zum Thema.
Je nach Entwicklungsstadium der Blüten deiner Obstgehölze, solltest du sie bei angesagten Frösten schützen. Noch nicht geöffnete Blüten können leichte Minusgrade überstehen. Weiter entwickelte Blüten dagegen sind sehr empfindlich.
Baldrian wärmt deine Blüten. Mit verdünntem Baldrianextrakt kannst du ihnen etwas wärmere Temperaturen vortäuschen. Besprühst du sie damit, sind sie bis zu - 2 Grad gegen Frost geschützt. Jedoch wärmt der Baldrian nicht unbegrenzt und macht maximal bis zu 5 °C wärmer. Bedecke deine Obstbäume zusätzlich noch mit einem oder mehreren Vlies.
Eine andere Möglichkeit ist, ein Feuer unter den Bäumen zu machen. Hierbei musst du aber sehr vorsichtig sein, damit die Bäume nicht verbrennen. Achte auf genug Abstand zwischen dem Feuer und den Bäumen sowie umgrenzenden Pflanzen. Bedenke außerdem, dass es in einem Hausgarten nicht erlaubt ist, einfach ein Feuer zu legen. Diese Methode wird meist eher kontrolliert in großen Plantagen angewendet.
Im professionellen Anbau gibt es noch die Methode der 'Frostberegnung' (besonders im Obstbau). Hierbei werden die Bäume mit Wasser besprüht. Das Wasser gefriert an den Blüten und es entsteht eine wachsende Eisschicht. Beim Gefrieren wird durch die Kristallisation des Wassers Wärmeenergie frei. Dadurch sinkt die Temperatur der eingehüllten Blüten nie unter den Gefrierpunkt und sie sind somit vor dem Frost geschützt. Hierbei muss der Baum aber ständig beregnet werden, was zu einem immens hohen Wasserverbrauch führt. Falls es besonders kalt wird und es keine andere Möglichkeit gibt, deine Ernte sonst zu retten, kannst du auf diese Methode zurückgreifen. Befestige hierfür einen Gartensprenkler in der Krone deiner Obstbäume. Alle Blüten müssen von dem Wasser getroffen werden, damit sie gefrieren und geschützt sind. Beregne nun deine Bäume solange, wie das Frostereignis andauert.
Wie bereits erwähnt sind viele Gemüsepflanzen viel unempfindlicher bei Frösten wie Obstbäume und Reben. Einige brauchen gar keinen zusätzlichen Schutz und stecken Fröste ohne Probleme weg. Hierzu zählen beispielsweise Möhren, Erbsen, Spinat und Radieschen. Falls du aber auch schon einige wärmeliebenden Pflanzen wie Paprika ausgepflanzt hast, findest du hier ein paar Tipps sie zu schützen und warm zu halten.
Deine Gemüsepflanzen kannst du entweder mit einem Frühbeet oder Gartentunnel schützen, und/oder mit einem Vlies gut einpacken. Generell solltest du aber wärmeliebende Pflanzen wie Tomaten, Gurken oder Paprika erst später ins Freiland setzen, wenn die Gefahr von Spätfrost geringer ist. Oder du kultivierst sie in einem Topf, so kannst du sie bei drohendem Frost ins Warme stellen.
In einem Gewächshaus oder Folientunnel kannst du zusätzlich Kerzen anzünden, um die Temperaturen ein wenig anzuheben. Achte hierbei darauf, dass sie an einem sicheren Ort stehen, wo sie nicht umkippen können.
Falls du einzelne Gemüsepflanzen im Topf kultivierst, solltest du sie gut einpacken. Denn in einem Topf ist der Wurzelballen den niedrigen Temperaturen stärker ausgeliefert und erfriert schneller. Das passiert bei Pflanzen, die im Gartenboden gepflanzt sind nicht so schnell. Der Boden gefriert meist nämlich nicht bei so kurzen Frostereignissen. Stelle deine Kübelpflanzen während den kalten Nächten an einen warmen, frostfreien Ort wie beispielsweise deine Gartenhütte. Falls du das nicht hast, kannst du alternativ auch ein Gartenvlies nehmen und sie gut einpacken. Hierbei musst du allerdings großzügig sein. Stelle die Pflanzen zusätzlich an einen windgeschützten Ort, wie beispielsweise eine Hauswand. Bei Kübelpflanzen empfiehlt es sich aber generell, sie auch erst nach den Eisheiligen rauszustellen.
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Titelbild von Екатерина Гусева auf Pixabay.
Marie ist Agrarwissenschaftlerin. Sie interessiert sich besonders für den nachhaltigen und ökologischen Anbau von Gemüse und anderen Pflanzen. Im eigenen Garten sammelte sie dabei Erfahrungen und probiert sich gerne aus, um von der Natur zu lernen. Dabei liegen ihr Werte und Prinzipien der Permakultur besonders am Herzen, um neben dem Wohl für die Natur, auch für das Wohlergehen der Menschen und zukünftiger Generationen beizutragen.
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Die Eisheiligen sind eine Bauernregeln, die besagt, dass es bis Mitte Mai Spätfröste geben kann. Früher hieß es „Die kalte Sophie macht alles hie“. Heute wäre durch den Klimawandel folgende Regel passender: „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun' und Fass“.
Die Eisheiligen umfassen üblicherweise folgende Tage: Vom 11. Mai bis zur kalten Sophie am 15. Mai. In kälteren Regionen wird auch oft noch der 16. Mai (der Tag des Heiligen Ubald) dazugezählt.
Was kann ich als Frostschutz für Obstbäume tun?
Baldrianextrakt kann helfen, die Blüten zu wärmen. Zusätzlich kannst du unter deinen Obstbäumen noch ein Feuer machen. Im professionellen Gartenbau kommt auch oft die Frostberegnung zum Einsatz.
Wie schütze ich meine Gemüsepflanzen vor Frost?
Am besten schützt du deine Schützlinge mit einem Vlies, Frühbeet, Gewächshaus oder Folientunnel. Topfpflanzen stellst du am besten an einen frostfreien Ort.