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Isabell Isabell studiert Agrarwissenschaften und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.
16.06.2022

Abhilfe bei Mehltau

Echten Mehltau von falschem Mehltau unterscheiden

Mehltau ist eine der am häufigsten auftretende Schaderreger-Gruppe im Garten. Wie bereits erwähnt kann Mehltau durch verschiedene Pilzerreger ausgelöst werden. Mehltau ist hierbei nur eine Sammelbezeichnung für Pilzkrankheiten aus unterschiedlichen Gattungen. Hierbei können manche Pilzgattungen super wirtsspezifisch sein während andere viele verschiedene Pflanzen befallen können. Für die Bekämpfung bzw. die Abhilfe-Maßnahmen ist es allerdings nur wichtig zwischen "falschem" und "echten" Mehltau zu differenzieren. Die beiden Pilzgruppen besitzen nämlich total unterschiedliche Ansprüche und lassen sich dadurch auch auf unterschiedliche Weisen bekämpfen und vorbeugen.

Echter Mehltau

wikimedia commons

Zum echten Mehltau (Erysiphaceae) gehören verschiedene Gattungen aus der Abteilung der Schlauchpilze (Ascomycota). Dazu zählen die wirtschaftlich relevanten Arten wie beispielsweise der Gräser-Mehltau (Blumeria graminis) oder der Weinreben-Mehltau (Erysiphe necator oder auch Oidium). Äpfel werden von Podosphaera leucotricha befallen während Rosen von Sphaerotheca pannosa heimgesucht werden. Das war nur ein kurzer Einblick in die Vielfalt der echten Mehltau-Pilze.

  • Bevorzugtes Gemüse: Gurken, Zucchini, Kürbisse, Melonen, Karotten, Erbsen, Schwarzwurzeln, Salbei, Erdbeeren
  • Bevorzugte Gehölze: Lorbeer, Weinreben, Apfel, Stachelbeeren, Rosen
  • Bevorzugte Zierpflanzen: Rittersporn, Astern, Goldmelisse, Hortensien

Merkmale und Schadbild (Echter Mehltau)

  • Braucht keine feuchten Bedingungen für seine Verbreitung ("Schönwetterpilz"), denn die Sporen benötigen nicht unbedingt Wasser für ihre Verbreitung. Lediglich die ersten Sporen im Frühjahr können durch Spitzwasser vom Boden auf die Blattflächen gelangen. Meist spielt aber Wind als Verbreitungsweg eine wichtige Rolle. Daher tritt der echte Mehltau im Vergleich zum falschen Mehltau oft im Sommer bei trockener Witterung auf.
  • "Außenpilz": Dringt nicht in tiefere Gewebeschichten der Pflanze ein und lässt sich daher leicht abwischen.
  • weißlich, mehliger Belag meist auf der Blattoberseite. Oft auch an jungen Trieben, Blütenblättern oder Stacheln. Nach und nach befällt der Pilz die komplette Pflanze (auch Blattunterseiten und andere grüne Pflanzenteile). Später vergilben die betroffenen Pflanzenteile oder sterben ab.
  • Pilzgeflecht kann sich auch schmutzig bräunlich verfärben.
  • "Mehltaukerzen" bei Apfelmehltau: die Blätter von jungen Trieben stehen aufrecht nach oben, der Blattrand in eingerollt. Oft tritt eine rötliche Verfärbung der Blätter auf.
  • starke Temperaturschwankungen sowie abwechselnd feuchte und sehr trockene Bedingungen können die Pflanzen schwächen und dadurch den Befall begünstigen.
  • Überwinterung auf Pflanzenresten. Durch Wind oder Wasserspritzer kann eine erneute Infektion von den toten Pflanzenresten aus erfolgen. Daher Pflanzenreste befallener Exemplare nach der Ernte entsorgen.

Echten Mehltau vorbeugen

Bauer Karl, CC BY 3.0
  • resistente Zier-, Gemüse- und Obstsorten wählen.
  • ausreichend Platz bei der Pflanzung lassen (gute Durchlüftung).
  • ausgewogene Düngung (Überdüngung vermeiden).
  • kranke Pflanzenteile zügig entfernen (nicht auf dem Kompost!).
  • eine Mulchschicht kann die Übertragung durch Wasserspitzer verhindern.
  • ausgewogene Bewässerung (Trockenheit und Stauwasser vermeiden). Techniken mit hoher Spritzgefahr vermeiden (am besten mit schwachem Strahl und von unten bewässern).
  • Standorte mit starken Temperaturschwankungen vermeiden (der Standort sollte immer auf die jeweilige Pflanze angepasst sein).
  • im Gewächshaus auf ausreichende Belüftung achten
  • Ackerschachtelhalm-Brühe kann anfällige Pflanzen stärken: 1 kg frisches Kraut auf 10 l für 24 Stunden. Anschließend eine halbe Stunde köcheln lassen. Nach dem Abkühlen absieben und mehrmals täglich spritzen.

Abhilfe bei echtem Mehltau - wenn's schon zu spät ist

  • Knoblauch-Tee spritzen: 80 g auf 10 l heißes Wasser. Mindestens 5 Stunden ziehen lassen.
  • bei schnittverträglichen Pflanzen betroffene Pflanzenteile entfernen und im Restmüll entsorgen.

Falscher Mehltau

Christian Hummert CC BY-SA 3.0

Falscher Mehltau umfasst einige Pilzgattungen die zur Gruppe der Eipilze (Oomyceten) gehören. Die verschiedenen Arten bilden Ordnung Peronosporales. Wichtige Vertreter der Gruppe sind der falsche Mehltau an Wein (Plasmopara viticola) sowie Salat (Bremia lactucae). Viele Arten des Falschen Mehltaus sind wirtsspezifisch und daher stark von ihrer jeweiligen Pflanzenart abhängig.

  • Bevorzugtes Gemüse: Radieschen, Rettich, Meerrettich, Salat, Erbsen, Feldsalat, Kohl, Spinat, Zwiebeln
  • Bevorzugte Gehölze: Rosen, Weinreben
  • Bevorzugte Zierpflanzen: Nelken, Stiefmütterchen, Primeln

Merkmale und Schadbild (Falscher Mehltau)

Jerzy Opioła, CC BY-SA 4.0
  • Falscher Mehltau wird als "Schlechtwetterpilz" bezeichnet, weil er normalerweise bei feucht-kühler Witterung auftritt. Daher kommt es vor allem im Frühjahr oder Herbst zu Befall. Auch verregnete, kühle Sommer bieten gute Bedingungen für den falschen Mehltau. Das liegt daran, dass die Sporen des Pilzes Wasser als Verbreitungsmedium nutzen. Trocknen die Blätter nicht ausreichend schnell ab, können im Wasserfilm die Sporen transportiert werden und in die Spaltöffnungen der Blätter gelangen.
  • im Gegensatz zu echtem Mehltau dringt der Pilz des falschen Mehltaus in das Pflanzengewebe ein. Das kann durch Wunden oder die natürlichen Atemöffnungen der Blätter (Stomata) gelingen.
  • Überwinterung im Falllaub oder in Ernteresten. Im Zweifelsfall alle Pflanzenreste entsorgen (nicht im Kompost), sodass eine erneute Infektion im nächsten Jahr erschwert wird.
  • erkennbar an gelblich bis braunen Flecken auf Blattoberseiten, teils auch auf Stängel oder Blüte. Auf der Blattunterseite sind grau bis grauviolette Pilzgewebe zu erkennen.

Falschen Mehltau vorbeugen und bekämpfen

  • Blätter trocken halten, da der Pilz durch Wasser übertragen wird. (Überdachung, Abstände für gute Durchlüftung)
  • von unten gießen, damit das Übertragungsrisiko vermindert wird.
  • einseitige Stickstoffdüngung vermeiden.
  • widerstandsfähige und tolerante Sorten wählen.
  • bei schlechtem Wetter mit Knoblauchtee spritzen, der antifungal wirkt (Herstellung s. Bekämpfung Echter Mehltau).
  • Ackerschachtelhalmbrühe spritzen, um Pflanzen zu stärken (s. echtem Mehltau vorbeugen).
  • betroffene Pflanzenteile entfernen.
  • mit Brennnesseljauche gießen, um Pflanzen zu stärken.

Mehr erfahren

Zu diesem Thema gibt es im Magazin einen ausführlichen Artikel.

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jeff kubina via wikimedia commons

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Isabell Isabell studiert Agrarwissenschaften und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.