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Marlene
26.07.2022

Möhren richtig aussäen

Möhren richtig aussäen

Ach ja, ob Möhren oder Karotten der richtige Begriff ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Zwei Begriffe für ein Gemüse. Im Norden wird wohl meist Möhre gesagt, im Süden eher Karotte. Ich bleibe bei Möhre, es sei denn, ich meine die kleinen runden Dinger (Sorte Pariser Markt).

Jetzt im Juli ist die letzte Gelegenheit für dieses Jahr noch Möhren auszusäen. Entweder für die Herbsternte oder für das nächste Frühjahr. Ich habe dieser Tage noch welche ins Frühbeet (Folientunnel) gesät. Eine Sorte mit einer ganz kurzen Entwicklungszeit. Vielleicht wird es dieses Jahr noch was, sonst haben sie für nächstes Jahr schon einen Vorsprung.

Worauf muss man achten?

Möhren säen ist ziemlich einfach und wenn die Samen feucht gehalten werden, kommen sie auch nach drei bis vier Wochen, wenn die Temperatur zwischen 10 und 25 Grad liegt.
Nur meist hält man beim Aussäen nicht den vorgegebenen Abstand innerhalb der Reihe ein. Nicht weil man es nicht möchte, aber der feine Möhrensamen lässt sich schlecht einzeln säen. Kohlsamen und selbst Salatsamen lassen sich besser einzeln oder in wenigen Körnern aussäen als der Möhrensamen.
Wie der Abstand der einzelnen Pflanzen sein sollte, variiert innerhalb der Sorten. Dieser misst sich an der Schulterbreite der Möhre, die bei den Sorten unterschiedlich ist. Im Allgemeinen brauchen späte Sorten meist einen größeren Abstand als die schnell wachsenden. Es werden Abstände von 6 bis 10 cm empfohlen.
Bei der Aussaat sollte man somit - wie auch bei allen anderen Gemüsesorten - einen Blick auf das Samentütchen werfen.

Warum ist der Pflanzenabstand wichtig?

Warum ist der Pflanzenabstand wichtig? Das bisschen mehr an Samen kann ich doch verschmerzen!

Falsch! Der empfohlene Abstand sollte, wie bei allen anderen Pflanzen, auch bei Möhren eingehalten werden.

Warum? Jede Pflanze ist der natürliche Konkurrent der Anderen, auch wenn es dieselbe Art ist. Sie konkurrieren um Licht, Wasser und Nährstoffe. Nur wenn diese Ressourcen in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, kann sich die Möhre wie auf der Saatguttüte beschrieben, entwickeln. Auch wenn ich damit leben kann, dass die Möhre vielleicht ein paar Zentimeter kürzer wäre, so wird sie auch nicht so dick, wächst nicht so vital und windet sich gerne um die Nachbarn und wird krumm.

Was tun? Vereinzeln! Man robbt durch die Reihe, zieht die Beikräuter raus und lässt nur alle 6 bis 10 cm eine kleine Möhrenpflanze stehen. Ich persönlich mache das bei feuchter Witterung, da ich dann nicht zu viele der Pflanzen lockere, die stehen bleiben sollen. Jedes Mal ist aber die Entscheidung zu treffen, welche Möhre weg kommt.
Welchem Pflänzchen traue ich zu größer zu werden als die Nachbarn?
Dabei ist Vereinzeln der falsche Lösungsansatz. Wir sollten beim Säen versuchen, möglichst wenig Pflanzen in Häufchen zu säen und den Abstand möglichst einzuhalten. Leichter gesagt als getan. Der extrem feine Möhrensamen ist wohl das am schwierigste auszusäende Gemüse.

Die Vorteile beim dünnen Aussäen

  • Weniger Saatgut-Verbrauch
  • Weniger Arbeit beim Jäten und Vereinzeln – einzelne Möhrenpflanzen fallen stärker zwischen den Unkräutern auf, diese können schneller beseitigt werden, als wenn man dauernd Angst davor hat, hat ein Möhrchen mit zu erwischen.
  • Es werden weniger Pflanzen (die, die stehen bleiben sollen) gelockert.

Wie man richtig sät

Wie kann ich so säen, dass nach Möglichkeit der Abstand eingehalten wird?
Dafür gibt es einige Tipps, die jedoch schon bei vielen Gärtner:innen für Frust gesorgt haben:

  • Saatgut zwischen Daumen und Zeigefinger säen - wird bei den wenigsten wirklich gut funktionieren, da zu viele Samen auf einmal in die Samenrille fallen
  • Ein "breitwürfiges" Aussäen, anstatt in Reihen - erleichtert die Arbeit auch nicht
  • Das Saatgut mit Sand im Verhältnis 1:1 oder 1:2 mischen - hilft wohl nur bei sehr feinmotorischen Menschen - bei mir jedoch nicht.

So funktioniert es bei mir:
Dieses Jahr habe ich mir eine Saathilfe zugelegt, bei der man verschiedene Samengrößen einfach einstellen kann. Mit etwas Übung kommen wesentlich weniger Samenkörner in die Furche als mit den anderen Methoden. Bei dieser Methode sollte man darauf achten, dass das Saatgut nicht zu alt und noch schön keimfähig ist, da man sonst Lücken in den Reihen haben kann.

Fazit: Jeder sollte sich bei der Möhrenaussaat überlegen, wie er oder sie es lieber mag: viele Möhren säen und einige Zeit in ein sorgfältiges Ausdünnen stecken oder mit einer Saathilfe und gutem Saatgut arbeiten, dadurch weniger Arbeit, aber vielleicht auch ein paar Möhrchen weniger haben.
Wenn man zu viele Samen sät, kommt man jedenfalls ums Ausdünnen nicht drum herum, wenn man Möhren haben möchte, die in etwa dem gekauften Muster entsprechen sollen. Wenn man sich für das Ausdünnen entscheidet und dann mehrmals die kleinen Möhren von dem Beiwuchs befreien muss, kann man das Aussortieren öfters und somit in mehreren Schritten machen. Man sollte aber nicht warten, bis die Möhren schon angesetzt haben, da sonst schon zu lange die Ressourcen geteilt werden mussten.

Mit der richtigen Methode, steht einem erfolgreichen Möhrenanbau in 2022 und in den kommenden Saisons hoffentlich nichts mehr im Wege!

Marlene