Orchideen - Ragwurzen / Kerfstendel

Orchideen - Ragwurzen / Kerfstendel

Ophrys

Pflanzenfamilie

Orchideengewächse (Orchidaceae)

Auch bekannt als

Täuschblumen-Orchideen

Anbaupause Fruchtwechsel

0 Jahre

Saisonübersicht

Aussaat

Ernte

Ernte

J

F

M

A

M

J

J

A

S

O

N

D

1. JAHR

FOLGEJAHRE

Details

Lichtbedarf

Sonnig

Wasserbedarf

Trocken

Boden

Leicht (sandig)

Nährstoffbedarf

Niedrig

Lichtkeimer

Pflanzabstand

10 cm

Reihenabstand

15 cm

Saattiefe

3 cm

Anleitungen

Beschreibung

Die Ragwurzen (Ophrys), auch Kerfstendel genannt, bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Sie kommen hauptsächlich rund ums Mittelmeer vor und überdauern den trockenen Sommer mit Hilfe einer unterirdischen Knolle. Zur Bestäubung locken die Blüten durch Produktion von Duftstoffen und insektenähnliches Aussehen männliche Insekten an, die beim Versuch der Kopulation mit den Blüten Pollen übertragen. Die Gattung umfasst je nach Auffassung 10 bis 350 Arten. Der botanische Gattungsname Ophrys leitet sich aus dem griechischen Wort ophrys für „Augenbrauen“ ab. Der „Begriff“ Ophrys wurde erstmals von Plinius dem Älteren in seinem Werk Naturalis historia erwähnt. Wuchs Die Ragwurz-Arten sind relativ kleine, ausdauernde, krautige Pflanzen. Sie erreichen meist Wuchshöhen von 10 bis 40 Zentimetern, es gibt aber auch blühende Exemplare, die nur 5 Zentimeter hoch sind, andere Arten erreichen bis zu 90 Zentimeter. Mit einer unterirdischen Knolle überdauern sie die ungünstige Jahreszeit. Während der Wachstumsperiode wird diese Knolle durch eine, selten zwei neue ersetzt. Die Knollen sind rundlich bis leicht oval und werden teils aus Wurzel-, teils aus Sprossgewebe gebildet. Sie enthalten lebende Zellen, die Stärke speichern sowie abgestorbene Zellen, die für die Wasserspeicherung sorgen. Oberhalb der Knollen entspringen die faserigen Wurzeln aus dem Spross. Die Laubblätter stehen in einer grundständigen Rosette, zusätzlich können weitere kleinere Blätter am Stängel angeordnet sein; oder die Blattrosette ist locker mit am Stängel verteilt stehenden Laubblättern. In einem endständigen, traubigen Blütenstand sind wenige Blüten locker angeordnet. Der Fruchtknoten ist ungestielt, nicht behaart und nicht oder nur wenig verdreht. Die Blüten sind resupiniert, sie sind relativ groß, auffällig und ähneln einem Insekt. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Blütenhüllblätter sind nicht miteinander verwachsen. Die drei äußeren Blütenhüllblätter (Sepalen) sind weiß, rosafarben oder grünlich, meistens kahl. Die seitlichen Petalen sind kleiner als die äußeren Blütenhüllblätter und behaart. Die Lippe ist ganzrandig bis dreilappig, am Ende oft mit einem Anhängsel oder einer aufgesetzten Spitze. Meist ist die Lippe konvex gebogen, wobei die Spitze wieder in die Gegenrichtung aufwärts gebogen sein kann. Im Gegensatz zu verwandten Gattungen besitzt die Lippe der Ragwurzen keinen Sporn. An der Basis der Lippe befindet sich mittig eine auffällig gefärbte Fläche, seitlich davon sind oft zwei Erhebungen. Mittig auf der Lippe befindet sich eine glatte, häufig glänzende Fläche, zum Rand hin ist die Lippe behaart. Die Säule fasst die Narbe und das Staubblatt zusammen; zwischen beiden liegt das wenig ausgebildete Trenngewebe (Rostellum), das oft zwei kleine, farbige seitliche Auswüchse besitzt. Die zwei Pollinien sind über Stielchen mit je einer separaten Klebscheibe (Viscidium) verbunden. Bestäubung Orchideen der Gattung Ophrys sind bekannt für ihren besonderen Bestäubungsmechanismus. Die Lippe einer Blüte stellt bei den Ophrys-Arten eine Nachahmung eines weiblichen Insekts dar. Männliche Insekten lassen sich täuschen und übertragen den Pollen während einer sogenannten Pseudokopulation. Dieses Phänomen wird Sexualtäuschung (englisch: sexual deception) genannt und ist eine Form von Mimikry (Lockmimikry). Die sensorischen Komponenten der Sexualtäuschung setzten sich aus olfaktorischen (Duft), visuellen (Farbe, Form) und taktilen (Behaarung) Stimuli zusammen. Der Duft der Blüten, bei vielen Arten ein für die menschliche Nase nicht wahrnehmbares Gemisch aus schwerflüchtigen Kohlenwasserstoffen, stellt den wichtigsten Stimulus zur spezifischen Anlockung der Bestäuber-Männchen dar. Er ist eine „fast“ genaue Kopie der Sexual-Duftstoffe der weiblichen Insekten und löst daher das gleiche Such- und Kopulationsverhalten aus wie die entsprechenden Weibchendüfte. Eine besondere Bedeutung kommt den taktilen Stimuli zu. Je nach Ausrichtung der Behaarung erkennt ein männliches Insekt nämlich, wo „vorn“ und „hinten“ bei einem Weibchen ist. Die Ausrichtung der Behaarung bei Ophrys-Blüten entscheidet daher darüber, ob der Bestäuber „Kopf voran“ oder „Abdomen voran“ mit den Blüten zu kopulieren versucht. Die Pollinien werden dementsprechend mit dem Kopf oder dem Hinterkörper (Abdomen) entnommen und transportiert. Die Konsequenz des Sexualtäuschungsmechanismus ist eine gewisse Spezifität in der Bestäubung, weil Anlockung über Sexualduftstoffe relativ spezifisch, im Eifer des Gefechtes aber unspezifisch erfolgt. Das Resultat sind daher unzählige Hybriden. Die Bestäuber sind in den meisten Fällen Solitärbienen, beispielsweise der Gattungen Andrena, Eucera, Anthophora etc. Wenige Ophrys-Arten werden von Grabwespen (Ophrys insectifera), Dolchwespen (Ophrys speculum), Käfern, Fliegen (Ophrys fuciflora) oder Pflanzenwespen (Ophrys insectifera var. subinsectifera) bestäubt. Aus dieser Abhängigkeit der Ophrys-Arten von ihren jeweiligen Bestäubern sollte der Schutz der Orchideen daher immer auch den Schutz der entsprechenden Bestäuberinsekten im Auge haben.

Herkunft:

Europa, Vorderasien, Mittelmeerraum

Anbautipps

Standort Licht: Sonnig bis halbschattig, warme Plätze sind optimal. Boden: Kalkreich, durchlässig, nährstoffarm, eher trocken. Geeignet für: Magerrasen, Trockenwiesen, Steingärten, naturnahe Flächen. Pflanzung Zeitpunkt: Herbst oder Frühjahr. Knollen: Flach setzen, Erde nicht zu nährstoffreich. Abstand: 15–20 cm, da sie kleine Horste bilden. Pflege Bewässerung: Nur in längeren Trockenphasen leicht gießen. Staunässe unbedingt vermeiden. Düngung: Keine Düngung – sie bevorzugen magere Böden. Winterhärte: Voll winterhart bis –20 °C. Vermehrung: Durch Samen (langsam, benötigt Mykorrhiza-Pilze). Vegetativ durch Knollenbildung. Besonderheiten Blütezeit: April bis Juni, je nach Art. Blüten: Täuschblumen – imitieren Insekten (z. B. Bienen-, Fliegen-, Hummelragwurz). Höhe: 15–40 cm. Artenvielfalt: Über 200 Arten und Unterarten in Europa und dem Mittelmeerraum. Ökologische Bedeutung: Hochspezialisierte Bestäubungsstrategien, wichtig für Biodiversität.

Krankheiten

Grauschimmel

Fusariose

Wurzelfäule

Schädlinge

Schnecken

Wühlmäuse

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